Angetestet: Amazon Kindle for PC

Von am 11. November 2009  

Kindle for PCDie kostenlose Software des Online-Buchhändlers macht den Computer zum E-Book-Reader. Aber wer in der “Region Europa” nach einem aktuellen Bestseller wie Dan Browns “Lost Symbol” sucht, geht leer aus.

Kindle for PC steht bereits für Windows XP, Vista und 7 zum Download bereit, eine Mac-Version ist kurzfristig angesagt. Nach der relativ einfachen Installation führt der Weg in den Kindle Store, der mit dem für Amazons eigenes Lesegerät identisch ist. Der Zugriff auf bereits bei Amazon gekaufte E-Books ist mit der PC-Software im Prinzip ebenso möglich wie bei der Hardware-Version des Kindle. Die Synchronisation erfolgt über die Internetverbindung des PCs (Menüpunkt “Sync and Check for New Items”).

Amazon bietet die Software für über 100 Länder zum Download an. Kunden außerhalb der USA bekommen allerdings gleich den Warnhinweis, die Auswahl der erhältlichen Bücher könne sich von den 360.000 englischsprachigen Titeln (von deutschsprachigen ist noch lange nicht die Rede) des US-Angebots unterscheiden. Diesen Unterschied aufgrund lizenzrechtlicher Verwerfungen mussten allerdings auch bereits frühe Käufer der Hardware-Variante “Kindle with US and International Wireless” erkennen. Die Hoffnung auf aktuelle Bestseller für 9,95 US-Dollar (deutsches Hardcover “Das verlorene Symbol” derzeit zum gebundenen Ladenpreis von 26 Euro) könnte also enttäuscht werden.

Kindle for PC Welcome

Ein erstes Blättern im Angebot zeigt, dass das E-Buch sogar teurer kommen kann. So ist die elektronische Kindle-Edition von P. W. Singers “Wired for War: The Robotics Revolution and Conflict in the 21st Century” für 20,49 US-Dollar (13,70 Euro, sagt der Währungsrechner) im Angebot. Bei Amazon.de findet sich eine gebundene Ausgabe bereits für 18,95 Euro, das Taschenbuch für 11,99 Euro (ab 20 Euro Bestellwert versandkostenfrei). In diesem Fall kann die Wahl für das gedruckte Papier, das nicht durch DRM eingeschränkt ist, das einem wirklich gehört, verschenkbar, verkäuflich und verleihbar ist, eigentlich nicht schwerfallen.

Bleibt die Frage, wie viel Freude beim Lesen eines Buches am PC aufkommt. Der beste Monitor ist nicht so augenschonend wie ein E-Ink-Display, das keiner Hintergrundbeleuchtung bedarf. Kindle für den PC erlaubt zumindest ein erstes Reinschmecken in das Angebot, ohne sich gleich für einen dezidierten E-Reader zu entscheiden, dessen Hardware noch immer auf einige hundert Euro kommt.

Amazon bewirbt Kindle for PC (Beta) mit der auf einem Notebook sichtbaren Seite aus einem Kinderbuch – einschließlich farbiger Illustration. Ein Hinweis auf spätere farbige Kindle-Reader? Sie sind allerdings nicht so schnell zu erwarten, da farbige E-Ink-Displays erst in der Entwicklung sind und vermutlich auch im nächsten Jahr noch nicht in die Produktion kommen. Wahrscheinlicher daher, dass sich Amazon mit farbigen E-Books für weitere Plattformen rüstet, was immer an Lesegeräten (hat jemand Medientablet gesagt?) im Anflug ist.

Update:

Futurezone bei ORF berichtet von Problemen mit Software und Synchronisation, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.

Zum Antesten ließ ich gestern Abend eine Leseprobe mit dem Beginn eines Romans kommen, da beim ersten Durchgang kein Titel zum augenblicklichen Kauf reizte. Amazons Website fragte dazu nach, an welches Gerät der “Kauf” bitte zu senden sei, an meinen Kindle for PC oder vielleicht einen anderen, noch zu registrierenden Kindle.

Es folgte die Aufforderung, zur Software Kindle for PC zu gehen. Der versprochene Lesestoff ließ zwar auf sich warten, vermutlich durch einen anfangs überlasteten Dienst, tauchte aber sofort nach dem ersten Start der Software heute auf. Eine weitere Leseprobe erreichte heute umgehend die Anwendung, die direkt mit einer Schaltfläche aus dem Browser zu starten ist.

Ungereimheiten gibt es allerdings bei den Preisen. Beim Durchstöbern fiel mir auf, dass Amazon internationalen Kunden einen Zuschlag aufzudrücken scheint. Selbst bei in Amazons Kindle Store groß als kostenlos beworbenen Büchern (die gibt es) bekommen Kunden in Europa tatsächlich 2,30 US-Dollar genannt – mit der Angabe, in diesem Preis seien Mehrwertsteuer und die internationale Übertragung per Mobilfunk enthalten.

(bk)

Zum Thema bei TecZilla:

Amazon schickt E-Reader Kindle nach Deutschland

Amazon-Affäre: Free Software Foundation fordert freie E-Books

Nook: E-Reader mit Android

Zum Thema im Web:

Amazon (Produktseite Kindle for PC)

Abbildung: Amazon / Screenshot: Kindle for PC

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