Andy Rubin über Android 3.0 „Gingerbread“

Von am 11. Oktober 2010  

Ein vorsichtiger Ausblick

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Android-Gründer, heute bei Google als vice president of engineering für alles verantwortlich, was mit Android zu tun hat, hängt sich nicht allzuweit aus dem Fenster. Er ließ sich im Interview mit PC Magazine nicht einmal die Versionsnummer für das nächste Update entlocken. Andererseits verspricht er, dass sie so überzeugend sein wird, dass alle Gerätehersteller einfach darauf springen müssen und es vorbei ist mit der vielfach beklagten Fragmentierung:

„Wenn wir mit einer 2.3 oder 3.0 herauskommen, dann wird das auf der Höhe der Zeit sein, weil es neue Funktionen und neue Innovationen bringt, die alle OEM-Hersteller werden übernehmen wollen. Die OEMs, die den Aufwand für die Anpassung der neuesten Version scheuen, werden den Einfluss dessen erleben, was die Verbraucher wollen … Ich glaube daher, dass die OEMs ihre Strategien überdenken und entsprechend schnell die neuen Versionen präsentieren.“

Rubin wiederholt seine frühere Darstellung, nach der Android zunächst eine fieberhafte Aufholjagd zu schaffen hatte – tatsächlich sei Android 1.0 noch so etwas wie 0.8 gewesen. Das erkläre die bisherige schnelle Abfolge neuer Versionen. Inzwischen aber mische Android ganz vorne mit, der Schwerpunkt kommender Versionen liege auf Innovationen. Stolz ist Rubin auf eine gute und erweiterbare Sicherheitsarchitektur bei Android. Für einen besonderen Vorzug hält er die nahtlose Verbindung zwischen Web und nativen Anwendungen.

Mehr Gaming, mehr Web, mehr Social Media

Und was bringt jetzt die nächste Version von Android, die wir anders als Rubin schon Android 3.0 „Gingerbread“ nennen können? Rubin formuliert allgemein, benennt aber klar die Schwerpunkte:

„Mehr Kommunikationsformen. Ich denke, Social Media ist eine Form von Kommunikation. Ich denke, man könnte über allgemeine Verbesserungen der Plattform sprechen, sie schneller und robuster machen. Ich denke, Gaming ist etwas, was bislang unzureichend bedient wird. Wir sind tatsächlich dabei, Casual Gaming neu zu erfinden.“

Neue Features und Funktionen in der Plattform sollen alle Formen von Gaming unterstützen. Die Verbindung von Web und nativen Apps soll noch enger werden. Wesentliche neue Funktionalität erfahre der Browser, unter anderem mit der Unterstützung von HTML5 und einer neuen Benutzererfahrung. In Erprobung ist Videochat, optimiert für die geringere Bandbreite im Mobilfunk.

Google und die Netzbetreiber

Zurückhaltende und diplomatische Antworten kommen auf Fragen zu dem, was Mobilfunkanbieter aus dem Android OS machen. Das zielt vor allem auf die Netzbetreiber in den USA, die ihre Kunden dank unterschiedlicher Mobilfunkstandards und lokal sehr unterschiedlicher Netzabdeckung wesentlich stärker im Griff haben als etwa europäische. Sie haben daher eine stärkere Position auch gegenüber den Lieferanten von Hardware und Software, können erhebliche Anpassungen und Einschränkungen vornehmen. Der Android-Chef setzt auch hier auf Lernfähigkeit und Markt:

„Ich denke, sie werden mit der Zeit lernen, was ein gutes und was ein schlechtes Business ist. Google glaubt vor allem an Offenheit, und Offenheit bedeutet Anpassung. Es gibt einen Unterschied zwischen Anpassung und Personalisierung. Personalisierung ist etwas, was der Verbraucher macht, Anpassung ist etwas, was ein OEM oder Netzbetreiber macht. Da müssen sie die richtige Balance finden.“

Selbst Google kam in den USA mit dem versuchten Online-Vertrieb des „Google Phone“ Nexus One nicht an den Netzbetreibern vorbei. Könnte immer noch klappen, sagt Rubin:

„Es ist immer noch möglich, ungebundene Mobiltelefone in den USA verfügbar zu machen. Ob sie einfach nur online statt durch traditionelle Verkaufskanäle zu erwerben sind – das wurde aufgegeben. Wir müssen also entscheiden, wie freigeschaltete Geräte in den USA angeboten werden können.“

Abbildung: Google (VP of Engineering Andy Rubin)

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