"Technische Details" zu Google-Netbook mit Chrome OS, aus den Fingern gesaugt

Von am 29. Dezember 2009 1 Kommentar 

Es gibt Geschichten, die gibt es nicht. Es beginnt mit einer völlig unstimmigen, haltlosen, quellenlosen Zusammenstellung von Gerüchten – und die Medienkarawane macht daraus “Technische Details zum Google Chrome Netbook”.

So verkündet es beispielsweise Channelpartner schon in der Überschrift, als gäbe es keinen Ruf zu verlieren. (Update: Die Dachzeile darüber allerdings entschärft die Aussage der Überschrift mit “Google Gerüchteküche”.) “Details zu Google-Netbook aufgetaucht”, schiebt ZDNet vier Stunden später nach. “Google-Netbook mit Multitouch-Display” legt Pocketbrain noch eins drauf. “Google Netbook: Erste technische Details bekannt” gibt Winfuture bekannt. “Erstmals technische Daten des Google-Netbook aufgetaucht”, staunt Basic Thinking. “Chrome OS Netbooks: Erste Hardware-Details” will uns Gadgetblog Chip Online glauben machen.

Andere setzen wenigstens mal ein Fragezeichen dahinter oder “Gerüchte” davor. Sascha Pallenberg wird bei Netbook News sogar “ein wenig stutzig” und vermutet, dass sich “IB Times einfach ein wenig was zusammengereimt hat”.

Wo er recht hat, hat er recht. Den Quatsch genauer unter die Lupe nahm PC World, die sich nicht so leicht Gereimtes für technische Details vormachen ließ, und befand: “Chrome-Netbook-Spezifikationen eher nicht glaubwürdig”. Ian Paul nimmt die angeblichen Details auseinander, die generiert wurden von “einer wenig bekannten britischen Publikation namens IBTimes”.

An Substanz bleibt so gut wie nichts übrig. Genüsslich zerpflückt er die vagen Formulierungen in der Art: “Das Google-Netbook, über das berichtet wird …” – gestützt von keiner einzigen Quellenangabe. Der Schreiber von IB Times kennt offenbar nicht einmal Google Maps und Google Calendar, sie heißen bei ihm Google Map und Google Calender. Er behauptet, diese und weitere Apps seien vorinstalliert auf Googles Netbook – wie bitte, Web-basierte Anwendungen vorinstalliert? Und besteht das Konzept von Chrome OS nicht ausdrücklich darin, keine lokalen Anwendungen zu installieren, um ein sicheres, einfaches und schnelles Betriebsystem zu schaffen? Es gibt so etwas wie Bookmarks für die Web-Anwendungen im Application Menu, aber keine installierten Apps.

Wer so wenig Ahnung von der Materie hat, der kann auch gerüchteweise behaupten, ein Netbook mit Chrome OS verfüge über eine SSD mit 64 GB. Das ergibt keinen, absolut keinen Sinn bei einem Gerät, das konsequent für Web-Anwendungen entwickelt wird. Und das soll dann zusammen mit Multitouch-Display und allen anderen Eigenschaften für weniger als 300 US-Dollar kommen? Und war es vielleicht dieser Preis, der den schnellen Ab- und Umschreibern dieser Gerüchtesammlung den Kopf vernebelt hat?

Wer über Tech-Themen schreibt, kommt nicht umhin, sich mit Gerüchten zu beschäftigen. Das ist kein leichtes Geschäft, das gehört vielmehr zu den schwierigsten Übungen. Das ist nicht wie eine deutschsprachige Presseerklärung, die schnell mal zu verkürzen und besser lesbar zu machen ist. Wer ohne Durchblick in die Gerüchteküche geht, der kann weder die Plausibilität einer Meldung noch die Glaubwürdigkeit einer Quelle abschätzen. Siehe oben.

(bk)

Zum Thema bei TecZilla:

Was radikal anders ist bei Chrome OS

Google Chrome – das Betriebssystem

Android, Chrome und die Konvergenz

Acer will Erster sein mit Chrome OS

Vom USB-Stick booten: Chrome OS für Dell Mini 10v

Zum Thema im Web:

PC World

Netbook News

IB Times

Abbildung: Acer / Google (Montage: TecZilla)

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Kommentare

Eine Stellungnahme zu “"Technische Details" zu Google-Netbook mit Chrome OS, aus den Fingern gesaugt”
  1. Netbooks sagt:

    Ja also diese ganzen Gerüchte hören sich wirklich ziemlich an den Haaren herbei gezogen an. Anscheinend brauchen die Blogs einfach was zum Scheiben und da kommen solche Gerüchte anscheinend gerade recht. Aber am irrwitzigsten finde ich auch den Preis von 300 $ für solch eine Ausstattung. Kann ja nicht stimmen.
    Maria