App Stores: Android Market holt auf

Von am 24. Februar 2010 2 Kommentare 

Apple ist mit iPhone-Apps noch immer klar in Führung, aber der Android Market holt auf. Apples unberechenbare Zensurpraxis treibt weitere Entwickler in die Arme Googles. Weit abgeschlagen laufen Blackberry, Nokia, Palm und Windows Mobile.

Wie sehr zuvor etablierte Smartphone-Betriebssysteme ins Hintertreffen gerieten, macht die Grafik mehr als deutlich. Das niederländische Unternehmen Distimo, spezialisiert auf Analysen und Statistiken zur Verbreitung von Smartphone-Anwendungen, fasste die Erkenntnisse über die sechs bedeutendsten App Stores zusammen.

Mit 150.000 verfügbaren Anwendungen scheint Apple fast uneinholbar, legt zudem monatlich mit 14.000 neuen Apps um weitere 9 Prozent zu. Android hat inzwischen knapp 20.000 Anwendungen erreicht und wächst mit monatlich 3.000 neuen Anwendungen prozentual stärker (15 Prozent).

Obwohl die Blackberry-Geräte zumindest im US-Markt noch immer klar dominieren, kommt RIMs App Store nur auf knapp 5.000 Anwendungen. Die sind allerdings auch am teuersten und kosten durchschnittlich 8,26 US-Dollar. Preislich folgen die Anwendungen für Windows Mobile mit durchschnittlich 7 Dollar, während die von Apple, Google, Nokia und Palm angebotenen Anwendungen sich in einem durchschnittlichen Preiskorridor zwischen 2,50 und 3,60 Dollar bewegen.

Die meisten kostenlosen Apps stehen im Android Market bereit. Zugleich fallen die deutlich höheren Preise auf, die europäische Entwickler (Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien, Spanien und Holland) für ihre Android-Apps verlangen. Mit durchschnittlich 4,42 Dollar liegen sie um 49 Prozent über dem durchschnittlichen US-Preis von 2,96 Dollar (Japan 2,28 Dollar, Großbritannien 3,31 Dollar). Was ist los mit den europäischen Entwicklern?

Nokia kommt auf etwas über 6.000 Anwendungen, Palm kann mit knapp 1.500 noch immer nicht mithalten. Das Schlusslicht aber gibt Windows Mobile mit der kläglichen Anzahl von 693 Anwendungen.

Auch hier bestätigt sich die späte Erkenntnis Steve Ballmers, der zuerst über das iPhone lachte und im letzten Herbst bekennen musste: „Wir haben es vermasselt mit Windows Mobile.“ Der Neustart mit Windows Phone Series 7 ist angekündigt, findet aber frühestens zum Jahresende mit den ersten lieferbaren Geräten statt.

„Apples App-Verbote helfen Google“

Bis dahin werden insbesondere Apple und Google ihren Vorsprung noch erheblich ausbauen können. Der Trend dürfte vor allem für Google arbeiten, und nicht nur aufgrund der breiten Palette von Geräten, die eine große Anzahl von Herstellern in den Markt bringt. In wenigen Tagen hat Apple, offenbar um die Akzeptanz des kommenden Tablets iPad im Bildungswesen und bei Eltern besorgt, rund 6.000 zuvor erlaubte Anwendungen entfernt und damit den eigenen App Store um 3 Prozent dezimiert. Das muss Entwickler verunsichern, selbst wenn sie nicht von dieser überraschenden Säuberungswelle betroffen waren.

Ihnen konnte nicht entgehen, dass Apple mit zweierlei Maß misst und harmlose Apps mit Bikinimädchen als „offenkundig sexuell“ entfernt, während Anwendungen größerer Verlage mit expliziteren Inhalten bleiben durften. Zu den berichteten Absurdidäten von Apples Saubermann-Demonstration gehörte sogar der Hinauswurf eines Bademode-Händlers aus dem App Store. Simply Beach, einem britischen Anbieter von Designer-Bademode, warf Apple ebenfalls „offenkundig sexuelle Inhalte“ vor, die zu „zahlreichen Beschwerden“ durch Kunden geführt hätten.

Apples App-Verbote helfen Google, schließt messerscharf auch das Wall Street Journal und zitiert iPhone-Entwickler, die auf dem Sprung in Googles Android Market sind. Mike Hawke, Mitgründer von Grindhouse Mobile LLC, einst ein großer Fan von Apples iPhone, schränkt in seinem Unternehmen die Arbeit für iPhone-Apps ein und setzt verstärkt auf konkurrierende Betriebssysteme:

„Wir werden aggressiv Anwendungen entwickeln für Android und andere Plattformen, die mit einem offenen Betriebssystem laufen. Sie geben den Entwicklern und den Benutzern erheblich mehr Freiheit.“

(bk)

Grafik: Distimo

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Kommentare

2 Stellungnahmen zu “App Stores: Android Market holt auf”
  1. rowi sagt:

    Der höhere Preis in Europa relativiert sich etwas durch zwei Effekte: zum einen ist der Euro momentan gegenüber dem Dollar sehr stark und die Abrechnung bei google Checkout (Pflicht im Android Market) muss in Landewärung erfolgen. Dadurch scheinen die Europäischen Apps teuer bzw. die amerikanische billig.
    Zum anderen sind die Preise im Market Netto angegeben was in Europa unüblich, in den USA aber normal ist. Dadurch sind viele Apps letztlich teurer als der Entwickler eigentlich will da die Mehrwertsteuer noch hinzugerechnet wird. Selbst die Sparkassen-Tochter Starfinanz ist anfangs drauf reingefallen und hatte die Bankingsoftware S-Banking für 0,79EUR in den Market gestellt der darauf dann noch 19% MwSt aufgeschlagen hatte. Inzwischen ist der Preis auf 0,66EUR (+ Steuer) korrigiert.

    Das erklärt den Unterschied nicht komplett, realtiviert ihn aber. Der Rest ist vermutlich ein Mentalitätsunterschied, die Amerikaner denken wohl mehr in großen Mengen und bauen auf die Masse.

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  1. […] laufen. Sie geben den Entwicklern und den Benutzern erheblich mehr Freiheit Quelle: App Stores: Android Market holt auf : T e c Z i l l a Ich finde, dass es auch langsam Zeit wird! Apple nimmt sich zu viele Sachen raus! Die Produkte […]