Antennagate: Apple motzt gegen Droid X

Von am 25. Juli 2010  

Antennentechnik, wie Apple sie sieht

Apple unternimmt alles, um von den ganz besonderen Empfangsproblemen des iPhone 4 abzulenken – und greift jetzt sogar Motorola Droid X an, das nach aktuellem Stand als das technisch aufwendigste Smartphone mit Android OS gilt. Antennenexperte Steve Jobs erreicht mit seinen Schmähungen allerdings das genaue Gegenteil.

Er weist immer wieder nur erneut auf die eigenen Probleme hin, die sich aus der außen umlaufenden Antenne ergeben, bei der schon die Berührung mit einem Finger zu einem Verbindungsabbruch führen kann. Seit US-Warentester das im Labor als Konstruktionsfehler nachwiesen, unterstellt Apple reihenweise den Geräten konkurrierender Hersteller, dass sie unter bestimmten Umständen ebenfalls an Signalstärke einbüßen können.

Wie Apple die Antennentechnik erklärt

Was natürlich grundsätzlich stimmt. Kein Mobiltelefon kommt ohne eine Antenne aus, und durch klammernde volle Umfassung mit der Hand – gerne auch „Griff des Todes“ genannt – kann sich ihre Empfangsleistung vermindern. Aus genau diesem Grund platzieren Hersteller außer Apple die Antenne so in den Geräten, dass ihre Empfangsleistung bei typischer Handhabung nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt wird. Noch optimaler wären natürlich Antennen, die oben aus dem Gerät ragen – aber die sind aus der Mode gekommen.

Apple zeigt nun in einer Alle-anderen-haben-auch-irgendwie-Probleme-Seite mit Konkurrenzprodukten, wie sich in einer Gegend mit schwachem Empfang und mit festem Klammergriff rund um die interne Antenne die symbolische Balkenanzeige für die Empfangsstärke verringert. Was so gut wie nichts beweist, schon gar nicht Verbindungsabbrüche – das iPhone 4 hingegen erlebt sogar nach Angaben von Apple und dem exklusiven Mobilfunkpartner AT&T ein bis zwei Abbrüche auf jeweils 100 Verbindungen.

Nicht zu übersehen war außerdem, dass Apple dabei vor allem Geräte vorführte, die schon länger auf dem Markt sind und nicht wirklich als ernsthafte iPhone-Rivalen gelten können wie etwa Nokia N97 mini. Mit Motorola Droid X wagte sich Apple erstmals an ein Gerät, das vielfach als überlegen gilt. Motorola hatte Apple mit einer ganzseitigen Zeitungsanzeige für Droid X herausgefordert – Apple konnte offenbar nicht widerstehen und wollte auch Droid X vorführen.

Frisierte Balken und die Folgen

Die Balkenanzeige ist eher symbolisch und sagt vor allem aus, dass es eine Verbindung gibt. Alle Hersteller und alle Netzbetreiber sind daran interessiert, dabei möglichst gut auszusehen. Sie neigen deshalb zur Darstellung möglichst vieler Balken auch bei weniger gutem Empfang. Sie lassen sie meist erst im unteren Bereich der gemessenen Signalstärke zurückgehen, aber auch das ist noch nicht mit einem Verbindungsabbruch gleichzusetzen. Apple trickste auch hier mehr als andere, was durch Antennagate herauskam.

Durch ein Software-Update – das angeblich die Empfangsprobleme von iPhone 4 beheben sollte – hat sich Apple mit der Darstellung der Empfangsstärke ehrlicher gemacht. Tatsächlich geht nun ausgerechnet Apple mit der dargestellten Empfangsstärke näher an die Realität, wie ein ausführlicher Vorher-Nachher-Vergleich beweist.

Das Diagramm zeigt in der oberen Hälfte die Relation von Signalstärke zu Balken auf iPhone 4 – und darunter die korrigierten Relationen durch iOS 4.0.1. Ãœberraschung, Apple stellt die tatsächliche Empfangsstärke jetzt sogar ehrlicher dar als die meisten Mitbewerber.

Nicht ganz freiwillig natürlich, es ließ sich vielmehr nicht umgehen, weil die zuvor stärker als bei der Konkurrenz frisierte Darstellung die echten Empfangsprobleme durch die außen umlaufende Antenne noch drastischer wirken ließen – es schien einen ganz plötzlichen Verlust der Signalstärke zu geben, während eben noch voller Empfang vorgespiegelt wurde.

Apple sollte den ganzen Weg gehen und den längst bewiesenen Konstruktionsfehler eingestehen – und nicht die schmähen, die es besser machten.

Diagramm: Anandtech / Screenshot: Apple

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