Argleton oder Die Geisterstadt, die Google schuf

Von am 4. November 2009 3 Kommentare 

ArgletonDie kleine Ortschaft Argleton befindet sich an Englands Westküste nahe der Schnellstraße A59. Aber nur in Google Maps, nicht in der realen Welt.

Es ist nicht nur ein Flecken auf der Landkarte. Es gibt dort, so macht uns Google vor, Läden, Ärzte, Immobilienhandel. Selbst in anderen Landesteilen beheimatete Unternehmen sind dort angeblich vertreten, etwa Mossack Hall Golf Club und Hope Street Hotel. Natürlich liefert Google Maps auch den täglichen Wetterbericht für die Nichtbewohner der Phantomstadt.

Roy Bayfield von der nahen Universität Edge Hill in Ormskirk begab sich auf Forschungsreise: “Eine Kollege von mir entdeckte die Anomalität bei Google Maps, und ich dachte, das muss ich mir ansehen. Ich gab mich dieser wunderbaren Fantasie von einem Ort hin, einem alternativen Universum, einer Welt wie Narnia. Ich war wirklich fasziniert vom Auftauchen eines nichtexistenten Ortes, dem das mächtige Internet Realität und eine Semi-Existenz zu verleihen vermochte.”

Doch er konnte den Ort nicht finden zwischen Aughton und Aughton Park, an dem es die Karten ansiedelten. Argleton existiert nicht und hat nie existiert, da ist nur Feld und Wald.

Argelton LancashireNiemand scheint zu wissen, wie es überhaupt zu Argleton kam. Eine vage Theorie besagt, dass die Ortschaft von Kartenmachern eingefügt wurde, um bei nicht lizenzierten Kopien die urheberrechtlichen Verstöße beweisen zu können. Zumindest falsche Straßen sollen zu diesen Zwecken bereits in Karten aufgetaucht sein.

Es könnte natürlich auch einer dieser seltsamen Scherze sein, den sich Programmierer in ihren langweiligen Nachtschichten einfallen lassen. Spekulierende Ratefüchse fanden nicht nur heraus, dass “Argle” an “Google” erinnere, sondern stießen auch noch auf die Anagramme “Not Real G” sowie “Not Large”.

Für einen “unschuldigen Fehler” hält es hingegen Danny Dorling, Präsident der britischen kartographischen Gesellschaft. Auch Google schließt sich dem etwas ratlos an: Die Daten seien ganz überwiegend korrekt, aber es gebe eben “gelegentliche Fehler”. Ein Sprecher des holländischen Unternehmens Tele Atlas, von dem Google die Kartendaten bezog, kann oder will auch nicht weiterhelfen: “Ich kann wirklich nicht erklären, wie diese Anomalien in unsere Datenbank gerieten.”

Was hätte alles geschehen können, wären diese Daten zur Navigation eingesetzt worden? Tele Atlas liefert europäische Kartendaten nicht nur für Google, sondern auch für viele Navigationsgeräte. Wenn ja, was geschah mit Fahrzeugen, die Argleton erreichten?

Das virtuelle Argleton, Lancashire gibt es offenbar bereits seit über einem Jahr. Wer es besichtigen möchte – sogar mit Fotos und Routenplaner – muss sich jedoch beeilen. Tele Atlas kündigte die Löschung der nichtexistenten Ortschaft aus der Landkarte an.

(bk)

Zum Thema bei TecZilla:

Motorola Droid mit Android 2.0 und Google Maps Navigation

Mit Google Maps auf der Spur der Schweinegrippe

Google Maps: Mann mit Gewehr, überfahrenes Bambi

Zum Thema im Web:

Google Maps: Argleton, Lancashire, Vereinigtes Königreich

Guardian

Xoomix: Rätselhafte Google-Phänome feiern H. G. Wells

Screenshots: Google Maps

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Kommentare

3 Stellungnahmen zu “Argleton oder Die Geisterstadt, die Google schuf”
  1. schussel sagt:

    wie geil is das denn? und bekommt roy bayfield für seine aufklärerischen dienste wenigstens das spritgeld vom kartenhersteller ersetzt? andererseits… in einem land, aus dem auch sendungen wie “mit schirm, charme und melone” kommen… wer weiss, ob es da nicht auch geheime orte gibt…

  2. buckmcq sagt:

    Schaut doch mal im medizinischen Lexikon “Pschyrembel” die Steinlaus mit einer Zeichnung von Loriot. Als der Verlag einmal diesen Eintrag löschte, weigerten sich die Studenten, die auflage zu kaufen und der Verlag mußte sie verramschen.
    Wenn ich ein Update für mein Navi kaufe, werde ich als erstes kontrollieren, ob es Argleton gibt, und wenn ich es nicht finde, werde ich reklamieren.

  3. FMundlbauer sagt:

    Anomalien ? Blödsinn ! Teleatlas und Navtec bauen bewusst EasterEggs in Ihre Daten ein, um Nachweisen zu können, wer Ihre Karten unerlaubt verwendet.

    Und wenn es kein offizielles EasterEgg war, dann hat sich wohl ein Azubi verewigt…