Facebook fördert Syphilis – nicht

Von am 25. März 2010  

Eine Falschmeldung bricht in britischen Medien aus und verbreitet sich hemmungslos über Organe wie BILD

Die deutsche Bildzeitung sichert sich zwar mit einem Fragezeichen ab („Führt Facebook zu mehr Sex-Krankheiten?“ und nennt es eine „gewagte These aus England“, dass es zu einer vervierfachten Zahl von Geschlechtskrankheiten in bestimmten britischen Ortschaften gekommen sei, weil besonders viele Briten in dieser Gegend im Social Network Facebook aktiv gewesen sind. Insbesondere junge Frauen seien dort von Geschlechtskrankheiten betroffen, was irgendwie mit „unverbindlichen Verabredungen“ und Online-Kontakten über Facebook zu tun haben könne.

Die Zeitung verschweigt jedoch erstens, dass der zitierte Professor Peter Kelly, der einer lokalen Gesundheitsbehörde für Middlesbrough und weitere Ortschaften vorsteht, keinen kausalen Zusammenhang mit dem Social Network hergestellt hatte. Er wollte vielmehr auf die möglichen Folgen von ungeschütztem Sex hinweisen und erwähnte, einige der Betroffenen hätten sich online kennengelernt – weil es heutzutage eben gängig ist, sich auf diese Weise kennenzulernen.

Kelly erklärte auf Nachfrage der BBC ausdrücklich, er habe Facebook weder erwähnt noch einen kausalen Zusammenhang hergestellt (wie auch von BILD falsch wiedergegeben). Zum anderen lässt Springers Medium gezielt aus, dass es in der erwähnten Statistik um dreißig (30) Syphilis-Erkrankungen in einer einzelnen Region geht, was ernsthafte Aussagen ohnehin nicht zulässt.

Ausgebrochen war die News-Seuche im britischen Boulevard-Organ „The Sun“ (im Besitz von Medienmogul Rupert Murdoch) mit der durchaus gewagten Ãœberschrift „Sex diseases soaring due to Facebook romps“. Mit „Daily Star“ und „Daily Telegraph“ setzten weitere britische Bastionen des Qualitätsjournalismus nach, von da verbreitete sich die offenbar ansteckende Meldung weltweit und wurde vielfach ernsthaft wiedergegeben.

Gar nicht amüsiert ist Facebook über die vermeintliche Infektionsgefahr und gibt es den Tote-Bäume-Medien: „Facebook ist nicht stärker verantwortlich für die Ãœbertragung von Geschlechtskrankheiten als Zeitungen für schlechte Augen.“

Screenshot: The Sun

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