"Google ist kein Zeitungskiller"

Von am 3. Dezember 2009  

Eric Schmidt GoogleSagt Google-CEO Eric Schmidt. Ausgerechnet im Wall Street Journal von Medienzar Rupert Murdoch, der in einen Ein-Mann-Krieg gegen seine Lieblingsfeinde Google und US-Präsident Obama verstrickt ist.

Diesen Ein-Mann-Krieg beschreibt Gabor Steingart im Spiegel mit der passenden Anmerkung, Murdoch verweigere sich nicht der Realität, sondern bekämpfe sie, indem er seine Blätter und Sender gegen sie antreten lässt. Murdoch ließ sogar zu, dass einer seiner TV-Meinungsmacher bei Fox News Obama als „Rassisten“ attackierte. Schwer zu leiden scheint der 78-jährige Mogul darunter, dass es zu keiner Begegnung mit Präsident Barrack Obama im Amt kam – schließlich war er von allen Präsidenten der USA seit Harry Truman auf diese Weise hofiert worden. Dieser Verstoß gegen seine Etikette trifft ihn vielleicht noch mehr als die hart abdriftenden Zeitungsauflagen.

Der Google-Chef gewährte ihm nun immerhin die Ehre, die Realität in einer von Murdochs Publikationen zu erklären. Sein Betrag, ausdrücklich als „Meinung“ gekennzeichnet, könnte sich direkt an den obersten Befehlshaber des Medienkonglomerats News Corp. richten. Das Internet werde das Geschäft mit den Nachrichten nicht zerstören, beruhigt er ihn, sondern ein neues, digitales Geschäftsmodell hervorbringen.

<em>Eric Schmidt</em>

Eric Schmidt

Eric Schmidt erwartet, im Jahr 2015 Nachrichten mit einem kompakten, handlichen Gerät zu lesen, das er als fantasy news gadget bezeichnet. Es soll ihm erlauben, durch seine bevorzugten Zeitungen und Zeitschriften zu blättern, blitzschnell und ohne lange Ladezeiten, mit gestochen scharfen Bildern, alles wie gedruckt. Das erlaube die gegenwärtige Technologie noch nicht, noch könne man schneller durch die Papierseiten des Journal blättern.

Der Lesestoff der Zukunft finanziert sich in in dieser Google-Vision teilweise im Rahmen monatlicher Abonnements . Einzelne Geschichten kosten wenige Cent. Andere sind kostenlos, finanziert durch gezielte, auf den Leser maßgeschneiderte Werbung, für die Werber richtig viel bezahlen werden.

Die gegenwärtige Krise der Printmedien sei weder durch Google verursacht, noch verdiene Google an Nachrichten. Schmidt verweist auf Craigslist, Ebay und spezialisierte Websites, die es schafften, die Anzeigenteile der Zeitungen zu dezimieren. Dazu kämen nun auch „Suchmaschinen wie Google, die Inserenten direkt mit Verbrauchern verbinden, die auf der Ausschau nach ihren Angeboten sind“. Da scheint ein leiser Seitenhieb auf Microsofts Suchmaschine Bing enthalten, die sogar das Shopping-Portal Ciao als Bing Shopping integrierte.

Die schwindenden Einnahmen und Reserven führten laut Schmidt dazu, dass die Zeitungsmacher nach einem Schuldigen suchten. Ihr Ärger lade sich derzeit vor allem auf Google ab mit dem Vorwurf, nur Google verdiene und gebe nichts zurück. Absolut falsch sei das, vielmehr schicke Google jede Menge Leser zu den notleidenden Zeitungen:

„Wir senden den Online-News-Publikationen eine Milliarde Klicks monatlich aus Google News und über drei Milliarden weitere Besuche über unsere übrigen Dienste wie die Websuche und iGoogle. Das sind 100.000 Gelegenheiten in der Minute, loyale Leser zu gewinnen und Umsätze zu erzielen – und die kommen kostenlos. Was das Copyright angeht, noch ein Punkt in diesen Vorwürfen, so zeigen wir nur eine Ãœberschrift und ein paar Zeilen aus jeder Geschichte. Wenn die Leser mehr wollen, müssen sie sich zur Website der Zeitung durchklicken … Und wenn sie es wünschen, können Verleger ihre Inhalte aus unserem Suchindex oder Google News herausnehmen.“

Der Vorwurf, Google mache riesige Gewinne auf dem Rücken der Zeitungen, entbehre ebenfalls jeder Realität. Google verdanke seine Einnahmen vielmehr vor allem der Produktsuche, wenn jemand beispielsweise „Digitalkamera“ eintippt und Werbung für Digitalkameras erhält. Eine typische Nachrichtensuche – etwa nach Afghanistan – bringe nur wenig oder keine Werbung. Daher trügen die Inserate neben der Suche zu Nachrichtenthemen nur einen winzigen Bruchteil zu den Werbeeinnahmen bei.

Er sei verständlich, wenn man versuche, jemand anders die Schuld zu geben. Tatsächlich aber sei „durch vergangene Monopole verursachte Selbstgefälligkeit, nicht Technologie, die wirkliche Bedrohung der Nachrichtenbranche“ – wie es Rupert Murdoch einmal selbst gesagt habe.

Lösungen in Sicht? „Wie Google den Zeitungen helfen kann“, steht immerhin über dem Beitrag. Schmidt führt aktuelle Bemühungen wie den Dienst Google Fast Flip auf, setzt vor allem auf technologische Neuerungen:

„So wenig es einen Grund für die gegenwärtigen Probleme der Branche gibt, gibt es auch keine einzelne Lösung dafür … Ich glaube nicht, dass das Internet den Tod der News bedeutet. Durch Innovation und Technologie können sie bestehen mit neuer Wirtschaftlichkeit und Dynamik. Video brachte den Radio Star nicht um, schuf vielmehr zusätzlich eine ganze neue Branche.“

(bk)

Zum Thema bei TecZilla:

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Burda: Google enteignet die Verlage

Zum Thema im Web:

Wall Street Journal

Spiegel

Abbildung: Gisela Giardino / Charles Heynes / CC (Google-CEO Eric Schmidt)

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