Google leitet chinesische Surfer auf unzensierte Suche um – in Hongkong

Von am 22. März 2010  

Eine Rochade, mit der Chinas Regierung nicht gerechnet haben dürfte

Aus Chinas staatskonformen Medien kamen in den letzten Tagen zunehmend verschärfte Töne gegen Google, bestätigten den Stillstand in den Verhandlungen, mit denen Google den politisch unzensierten Betrieb der Suchmaschine in China erreichen wollte. Bereits Mitte Januar hatte Google nach Cyber-Attacken aus China angekündigt, keine nach Wünschen der chinesischen Regierung zensierten Suchergebnisse mehr ausliefern zu wollen.

Der Zensurstopp durch Umleitung nach Honkong entbehrt nicht der strategischen Gewitztheit, zumal die chinesische Kultur von hohem Respekt für listige Vorgehensweisen geprägt ist. Hongkong ist zwar nach Bevölkerungszahl eine der größten Metropolregionen der Volksrepublik China, gilt aber als Sonderverwaltungszone, die als frühere britische Kolonie besondere Freiheiten genießt, zu denen auch die Freiheit von der auf Chinas Festland geübten Internetzensur gehört. Mit diesem Schachzug macht Google auch innere Widersprüche Chinas („ein Land, zwei Systeme“) deutlich, das sich der Welt als liberale Wirtschaftsmacht präsentieren will – und ganz besonders mit dem bedeutenden Finanzzentrum Hongkong.

In einem Blogbeitrag machte Googles Chefjustiziar David Drummond öffentlich, dass Google heute die Zensur in China eingestellt hat in der Suchmaschine Google.cn, der Bildersuche und bei Google News. Durch die Umleitung nach Google.com.hk können chinesische Bürger daher die unzensierte Suche auf Googles Servern in Hongkong erreichen.

Wie die chinesische Regierung auf diese ganz legale List reagiert, ist jetzt die spannende Frage, die auch Google umtreibt: „Es war nicht einfach, einen Weg zu finden, um unser Versprechen einhalten zu können, die Zensur der Suche bei Google.cn einzustellen. Wir glauben, dass diese neue Herangehensweise, über Google.com.hk eine unzensierte Suche in der vereinfachten chinesischen Schrift des Festlandes zu bieten, eine umsichtige Lösung für die Herausforderungen ist, denen wir uns zu stellen hatten – es ist völlig rechtmäßig und wird dem chinesischen Volk einen erheblichen Zuwachs an Informationen bringen. Wir hoffen sehr, dass die chinesische Regierung unsere Entscheidung respektiert, obwohl wir uns dessen bewusst sind, dass sie jederzeit unsere Dienste blockieren könnte.“

Eine eigene Website wird daher laufend darüber informieren, wie gut Googles Dienst in China verfügbar sind – immer aktuell und sichtbar für alle Welt. Die weiteren geschäftlichen Aktivitäten in China will Google weiterführen, insbesondere Forschung und Entwicklung. Bleiben soll auch eine Verkaufsniederlassung, deren Größe jedoch aus naheliegenden Gründen teilweise davon abhänge, wie gut Google.com.hk vom chinesischen Festland aus erreichbar bleibt.

Die Zensoren haben das Wort – wie lange werden sie sprachlos bleiben?

Abbildung: Google.com.hk

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