HP bringt WebOS auf jeden PC

Von am 10. März 2011  

HP Printer LogoWindows ist nicht genug

Die “verlorene Seele von HP” retten will der neue CEO des weltgrößten Computerherstellers. Vor allem mit Wachstum durch Software soll es gelingen, wie Leo Apotheker in einem Interview
mit Business Week erklärte. “Ich verstehe zufällig etwas von Software”, spielte er darauf an, dass er über 20 Jahre bei SAP tätig war.

Konkreter wurde es mit der erklärten Absicht, das mit der 1,2 Milliarden US-Dollar teuren Übernahme von Palm erworbene WebOS ab nächstem Jahr auf jedem von HP verkauften PC mit zu installieren. WebOS wurde als Betriebssystem für Smartphones entwickelt und läuft demnächst auch auf dem HP-Tablet Touchpad, selbst Drucker von HP sollen eingebunden werden in das Ökosystem von WebOS. Indem es neben Windows auf jeden PC kommt, will HP “eine riesige Plattform” schaffen, die Softwareentwickler dazu verlockt, eine wachsende Palette von Anwendungen dafür zu schreiben.

Während WebOS stets für seine überlegenen Multitasking-Eigenschaften und die Bedienoberfläche gelobt wurde, konnte Palm bei der Vermarktung seiner Smartphones nicht im Markt mithalten. Als mittelbare Folge hielten sich auch die Entwickler zurück. Während Apples iOS bereits mit über 350.000 Apps und Googles Android OS mit 250.000 Apps aufwarten, kann HP nur eine relativ bescheidene Zahl von 6.000 Apps für WebOS nennen.

Windows bleibt auf dem Desktop, aber …

Mit der gleichzeitigen Installation auf jedem PC von HP soll sich das grundlegend ändern. Noch offen sind Einzelheiten darüber, welche Rolle WebOS neben Microsoft Windows zugedacht ist. Naheliegend ist das Linux-basierte WebOS als Schnellstartsystem, das zwischendurch anstelle von Windows zu nutzen ist. Praktikabel – und die Akkulaufzeit verlängernd – wäre das vor allem bei Notebooks. Wenn zwischendurch eine E-Mail zu beantworten ist oder eine Webanwendung laufen soll, das geht auch ohne Windows. Dazu drängt sich allerdings die Frage auf, ob die Anwendungen anzupassen sind für Tastatur und Mauszeiger – oder will HP in Zukunft nur noch Geräte mit Touchdisplays bauen?

Wie auch immer HP das umsetzt, Microsoft muss noch lange nicht um Windows als mit Abstand führendem Betriebssystem auf dem Desktop fürchten. HP wird auch weiterhin dankbarer Abnehmer von Windows-Lizenzen bleiben, weil die Käufer einen Rechner mit Windows erwarten.

Ganz anders sieht es bei neuen Märkten und Gerätetypen aus, für die sich Windows 7 als zu schwerfällig erwiesen hat. Spätestens mit HP Slate wurde klar, dass ein Windows-Tablet nicht ernsthaft konkurrenzfähig ist zu Apples iPad und auch nicht zur kommenden Vielfalt von Android-Tablets. Windows allein ist nicht mehr flexibel genug für einen Hersteller wie HP.

Abbildung: SL SD / CC

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