Nokia-Chef: Apple ist schuld am Erfolg von Android

Von am 9. Juni 2011 3 Kommentare 

Nokia-CEO Stephen ElopWenn CEOs zuviel reden

Eine Negativ-Schlagzeile jagt die nächste. Microsoft möchte Nokia übernehmen. Samsung bereitet eine Übernahme vor, auch wenn es Nokia heftig dementiert. Analysten machen sich laute Gedanken darüber, dass Nokia zerlegt mehr wert wäre – genau 49 Prozent mehr in Einzelteilen. Und eben ging Nokias Technikchef von Bord – der CTO hat sich für unbestimmte Zeit abgemeldet.

Vor dem Pakt mit Microsoft und der Anbindung an Windows Phone 7 argumentierte Nokias CEO Stephen Elop mit Nokia als einer brennenden Plattform. Eine dramatische Allegorie, die inzwischen noch weit mehr zutrifft als damals. Bei einer Keynote-Ansprache zum Open Mobile Summit in London zeichnete Elop heute jedoch ein völlig anderes Bild.

Er betete Zahlen herunter von 1,3 Milliarden Nokia-Nutzern, täglich 140.000 neu registrierten Nutzern und ebenfalls täglich 6 Millionen Downloads aus Nokias App Store. Und er verteilte Schuldzuweisungen. Ob berechtigt oder nicht, er wollte mit ihnen offensichtlich von den Schwächen der eigenen Strategie ablenken.

“Apple schuf Android”

“Apple setzte 2007 eine hohe Wassermarke hinsichtlich dessen, was Benutzer erwarten … Aber Apple hat das eben sehr in der Art von Apple getan. Es war geschlossen.” Anders als seine Vorgänger konnte Elop damit immerhin zugeben, dass sich mit der Markteinführung von Apples iPhone entscheidende Veränderungen im Handymarkt ankündigten. Gleichzeitig warf er Apple vor, damit den Boden für Android bereitet zu haben:

“Apple schuf Android, oder es hat zumindest die notwendigen Bedingungen bereitet, um Android zu schaffen. Die Leute wollten nicht den Spielregeln von Apple folgen, und deshalb musste etwas anderes her. In diesem Augenblick kam Google und schuf Android … und andere sprangen auf den Android-Zug.”

Vielleicht ist Elop die ganz andere Vorgeschichte von Android tatsächlich entgangen. Android-Chef Andy Rubin war zuvor Mitgründer des Unternehmens Danger, Inc, das schon 2002 ein Smartphone namens Danger Hiptop vorstellte, von T-Mobile auch als Sidekick vermarktet. Es war schon damals ganz auf die Internetnutzung unterwegs ausgerichtet sowie die laufende Synchronisation zwischen Webanwendungen und lokalen Daten über eine mobile Datenverbindung. Es ging sogar lange vor dem iPhone mit einem einfachen App Store für den Download weiterer Anwendungen an den Start.

Rubin verließ Danger, um mit Android ein eigenes Unternehmen zu gründen. Eine besondere Pointe der Smartphone-Geschichte besteht darin, dass Microsoft später Danger übernehmen sollte und nie etwas damit anfangen konnte.

Stephen Elop erklärt, warum Windows Phone 7 noch immer nicht erfolgreich ist

Noch schlichter erscheint Elops Weltbild, wenn es um Windows Phone geht, das im Markt noch weit stärker abtauchte als Nokias Symbian OS. Da sind natürlich auch wieder die anderen schuld, nämlich Nokias Wettbewerber, die sich nicht genug für Microsofts Handy-Betriebssystem engagierten:

“Windows Phone kommt bei den Verbrauchern besser an als Android und iPhone, aber die OEM-Hersteller machen ihre beste Arbeit für Android. Nokia wird sein Bestes für Windows Phone geben. Sie werden ganze Wellen von Gerätefamilien erleben, die das Versprechen von Windows Phone 7 einlösen.”

Abbildung: Luca Sartoni / CC (Nokia-Chef Stephen Elop)

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Kommentare

3 Stellungnahmen zu “Nokia-Chef: Apple ist schuld am Erfolg von Android”
  1. Name sagt:

    kack auf windows her mit meego!

  2. Username sagt:

    Genau, her mit MeeGo. Aber zack zack!

  3. DiableNoir sagt:

    Das Problem ist einfach:
    Nokia hat den Markttrend versäumt und auch Microsoft ist erst viel zu spät aufgesprungen. Das Selbe passierte am Tablet-Markt und davor bei den Netbooks, weil man kein passendes Betriebssystem im Portfolio hatte.

    ABER: Microsoft erkennt und akzeptiert zumindest, dass man sehr viel sehr falsch gemacht hat. Windows Phone 7 und Windows 8 ARM sind ein Zeichen dafür, dass sie das auch ändern wollen, auch wenn es vielleicht schon zu spät ist.

    Was macht dagegen Nokia? Herumgeflenne, Schuldzuweisungen und als wäre das nicht genug wirft man ausgerechnet SymbianOS über Bord und verunsichert unzählige Stammkunden. Dabei hätte man sich wie HP mit seinem WebOS auf die eigenen Stärken konzentrieren können. Nicht nur das, jetzt wird sogar noch Qt abgestoßen.
    Anstatt über Android zu jammern, hätte man übrigens auch SymbianOS öffnen können. Nokia hat nun ein geschlossenes System gegen ein anderes getauscht, anstatt die eigene Produktpolitik zu überdenken.