Patent-Pool greift das offene Videoformat WebM und VP8 an

Von am 22. Mai 2010  

Die Patentritter formieren sich, MPEG LA wirft den Fehdehandschuh

Hinter dem derzeit verbreiteten Videocodec H.264 steht mit MPEG LA ein Konsortium, hinter dem wiederum Unternehmen wie Microsoft und Apple stehen. Sie kassieren Lizenzgebühren für ihren proprietären Standard, von Apple besonders favorisiert und zugleich bis heute auch im Flash-Player integriert. Es will diesem Konsortium offenbar nicht gefallen, dass Google das Format WebM und den enthaltenen Videocodec VP8 von On2 Technologies als lizenzfreie Open-Source-Alternative anbietet.

Kostenlos und frei wollen sie weiterhin verhindern und berufen sich dabei noch auf den Markt, der sie dazu dränge. Larry Horn, CEO von MPEG LA, kündigte so etwas wie einen gesammelten Patentangriff an. Auf die Frage, ob MPEG-LA eine Patent-Pool-Lizenz für VP8 umd WebM schaffen wolle:

„Ja. Aufgrund der Unsicherheiten im Markt hinsichtlich der Patentlizenzierung für solche Technologien wurde aus dem Markt Interesse geäußert, das uns drängt, die gemeinsame Aufstellung von Lizenzen zu erleichtern, um dem Bedürfnis des Marktes entgegenzukommen nach einer praktischen Anlaufsstelle als Alternative dazu, mit individuellen Patentinhabern über einzelne Lizenzen verhandeln zu müssen für VP8 wie auch für andere Codecs, und wir gehen die Perspektive an, das zu tun.“

Er hätte es einfacher formulieren können, aber die Aussage ist klar. Ein Sprecher von MPEG LA bestätigte es gegenüber einer weiteren Publikation. Ob es mehr als Säbelrasseln ist, wird sich erweisen müssen. Googles Produktmanager erklärte noch vor kurzem, man sei mit VP8 patentrechtlich auf der sicheren Seite:

„Wir haben eine ziemlich gründliche Analyse von VP8 und On2 Technologies vorgenommen vor der Übernahme und danach. Wir sind sehr überzeugt von der Technologie, und darum haben wir sie als Open Source freigegeben.“

Google kann sich daher kaum wegducken, wenn die Lizenzfreiheit von WebM und VP8 in Frage gestellt werden. Zudem strebt Google konsequent ein offenes Web ohne Zugangshürden an aus wohlverstandenem Eigeninteresse, denn darauf beruht schlicht und einfach das werbebasierte Geschäftsmodell. Google wird also reagieren müssen, wenn das Konsortium MPEG LA den Fehdehandschuh in den Ring wirft.

Zu befürchten wären außerdem Stellvertreterkriege, wie bei der Android-Plattform mit den patentrechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Apple und HTC zu erleben. Florian Müller von NoSoftwarePatents.com begrüßt die Freigabe des Codecs als Open Source, erwartet aber von Google weitgehendere Zusicherungen, um die Technologie einsetzen zu können, ohne der Gefahr von Patentattacken ausgesetzt zu sein.

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