Psystar wollte jährlich 12 Millionen Mac-Klone verkaufen

Von am 30. November 2009  

Psystar Open PCDer von Apple mit juristischen Mitteln schon fast bezwungene Hersteller in Miami hatte große Pläne, wie aus einer Präsentation für erhoffte Geldgeber hervorgeht. Psystar und seine Gründer, die Brüder Pedraza – ein Blick hinter die Kulissen sorgt für Überraschungen.

“Durchgeknallt” fällt manchen Kommentatoren angesichts der aggressiven Business-Pläne ein, mit denen Psystar 2008 Wagniskapitalgeber für Investitionen gewinnen wollte. Eine “konservative” Schätzung belief sich auf 1,45 Millionen verkaufte Mac-kompatible Rechner im Jahr 2011, während ein “aggressives” Wachstumsmodell sogar 12 Millionen Klone vorsah. Eine Finanzierung in Höhe von 24 Millionen US-Dollar erhoffte sich Psystar mit diesen glänzenden Aussichten.

70.000 “Open Computer” wollte Psystar demnach im Jahr 2009 verkaufen, 470.000 im Jahr 2010 und mindestens 1,45 Millionen im Jahr 2011. Zum Vergleich: Apple verkaufte im Geschäftsjahr 2009, dessen 12 Monate am 30. September endeten, 10,4 Millionen Macs. Demnach hoffte Psystar in der aggressiveren Schätzung, sogar die heutigen Apple-Umsätze überholen zu können. Die Verkaufsprognosen schlossen ein von Psystar im August 2008 angekündigtes Notebook ein, das niemals realisiert wurde.

Apple vs. John Doe

Die Präsentationsfolien gehören zu einem Antrag, mit dem Apple bei einem Bundesgericht in San Francisco beantragte, Psystar den Verkauf jeglicher Computer zusammen mit dem Betriebssystem Mac OS X zu untersagen. Bei Apple waren schon zuvor große Ängste vor einer Lawine von Mac-Klonen entstanden, finanziert durch Geldgeber im Hintergrund. In einem früheren juristischen Schachzug wollte Apple die Klage gegen Psystar erweitern gegen mehrere im Hintergrund vermutete anonyme Parteien, die in US-Verfahren gewöhnlich mit “John Doe” bezeichnet werden.

Weit übertriebene Befürchtungen, wie inzwischen auch Apple erkannt haben dürfte. Ein von Apple beauftragter Analyst konnte nicht mehr als 768 Computer bestätigen, die Psystar bislang verkaufte. Die in jedem Fall vergleichsweise geringen Stückzahlen dürften sich durch die wenig ansprechende Hardware einerseits erklären und andererseits die Ungewissheit über den langfristigen Support der Hardware-Software-Kombination, verstärkt durch Apples vehemente juristische Attacken auf die kleine Klon-Klitsche in Miami.

Die Miami New Times stellt die beiden Inhaber von Psystar in einem gründlich recherchierten und ausführlichen Porträt vor. Robert Pedraza ist ein 24-jähriger Autodidakt, der sich selbst das Programmieren beibrachte und nebenbei den “Code hinter Apples OS X” knackte. Sein um ein Jahr älterer Bruder Rudy schlug ihm vor, Computer mit vorinstalliertem OS X online zu verkaufen – so entstand Psystar.

“Alles falsch”

Rudy Pedraza wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, die grundlegenden Ideen von der Hackintosh-Szene “ausgeliehen” zu haben, die sich schon länger nichtkommerziell damit beschäftigt, Mac OS X auf unterschiedlichster Hardware zum Laufen zu bringen:

“Als erstes muss man alles vergessen, was man online darüber gelesen hat, wie es funktioniert. Weil das alles falsch ist.”

Rudy und Robert Pedraza sind die Söhne des kubanischen Einwanderers Rodolfo Pedraza, dessen Eltern kurz nach der Castro-Revolution aus Kuba geflohen waren. Das Porträt erwähnt auch gegen den ausdrücklichen Wunsch der beiden Brüder, dass ihr Vater zu noch weit riskanteren Geschäften neigte. Er wurde 1991 verhaftet – sein ältester Sohn war eben sieben Jahre alt geworden – und 1993 wegen Drogenhandels zu 10 Jahren Gefängnis sowie einer Strafe von 250.000 US-Dollar verurteilt.

Wie hoch könnte der Schadenersatz sein, den Apple von Rudy und Robert Pedraza einzuklagen versucht?

(bk)

Zum Thema bei TecZilla:

Apple wirft Mac-Kloner Psystar aus dem Rennen

Nach Chapter 11: Psystar will weiter klonen

PearC: Netbooks und Notebooks mit Mac OS X

Zum Thema im Web:

Computerworld

Miami New Times

Abbildung: Psystar

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