Skype geht an die Börse (und nennt Zahlen)

Von am 9. August 2010  

Die frühere eBay-Tochter Skype will mit einem Börsengang 100 Millionen US-Dollar einnehmen – und drückte noch im letzten Jahr 343,8 Millionen Dollar für die P2P-Software der früheren Gründer ab

In den Unterlagen, mit denen die frühere eBay-Tochter den Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC beantragte, verbergen sich überraschende Zahlen. Zum einen ist das führende Unternehmen für Internet-Telefonie inzwischen profitabel und weist steigende Umsätze auf.

Im ersten Halbjahr 2010 konnte es 406 Millionen Dollar umsetzen und kam mit einem Gewinn von 13,2 Millionen Dollar in die schwarzen Zahlen. Im Jahr 2009 hatte Skype ingesamt 719 Millionen Dollar umgesetzt und dabei 99 Millionen Dollar verloren. Ein weitere Aufwärtsentwicklung ist zu erwarten durch Vereinbarungen mit Mobilfunkanbietern wie Verizon Wireless und TV-Herstellern wie Samsung und LG.

Gleichzeitig aber ist in den Zahlwerken auch die vermutete Leiche im Keller vergraben. Als eBay Skype zu einem völlig überzogenen Preis kaufte und dafür später 1,43 Milliarden Dollar abschreiben musste, war das Unternehmen von den listigen Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis (“eBay hat uns überbezahlt”) gleich doppelt über den Tisch gezogen worden. Sie verkauften zwar Skype an eBay, nicht aber die geschützte P2P-Software und damit das “geistige Eigentum”, auf dem Skype basierte.

Übersehen hatte es die damalige eBay-Chefin Meg Whitman, die sich diesen kapitalen Fehler zuschreiben lassen muss. Sie wandte sich inzwischen der Politik zu und möchte gerne als Nachfolger Arnold Schwarzeneggers den so gut wie zahlungsunfähigen US-Staat Kalifornien regieren – ob das eine gute Idee ist?

Um nachträglich auch noch an die P2P-Software für die Kommunikation zwischen den Skype-Nutzern zu kommen, unerlässlich für den Betrieb von Skype, musste sich das Unternehmen erneut mit den Gründern an einen Tisch setzen. Die im November 2009 erzielte Einigung, mit dem Skype die zunächst nur lizenzierte P2P-Software “Global Index” erwarb, kam noch einmal teuer zu stehen. Die bei der SEC eingereichten Zahlen weisen dafür einen Nettobetrag von insgesamt 343,8 Millionen US-Dollar aus.

Gut, dass es die Wähler in Kalifornien rechtzeitig erfahren konnten. Die für diese Geldvernichtung verantwortliche Meg Whitman, die eBay als Milliardärin verließ, steht am 2. November 2010 als republikanische Kandidatin für das Gouverneursamt zur Wahl.

Abbildung: whiteafrican / CC (Meg Whitman)

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