Warum HP-Chef Mark Hurd wirklich gefeuert wurde

Von am 18. August 2010  

Außer Spesen nichts gewesen?

Seit HP den erfolgreichen CEO Mark Hurd entließ, wollen die Spekulationen um die wirklichen Gründe nicht verstummen. Viel passiert war nicht, wie alle Beteiligten beteuern. In der neuesten Fortsetzung der Saga um Mark Hurd und die frühere Softcore-Darstellerin Jodie Fisher, die den Konzernlenker durch ihre Beschuldigungen zu Fall brachte, ist von eingesparten Aufträgen an die TV-Darstellerin die Rede, die bei HP-Veranstaltungen für die Begrüßung hochgestellter Gäste und anderer CEOs zuständig war – für jeweils 5.000 US-Dollar je Termin.

Wie eine „den Ermittlungen nahe Person“ die Nachrichtenagentur AP wissen ließ, habe die 50-jährige, alleinerziehende Mutter Mark Hurd abblitzen lassen, als er Annäherungsversuche unternahm. Daraufhin blieben weitere Aufträge an sie aus, was sie mit dem Vorwurf sexueller Belästigung konterte. Der Aufsichtsrat von HP nahm es ernst, ließ es untersuchen und entdeckte ein paar unsaubere Spesenabrechnungen – Hurd hatte einige Male teuer mit Jodie Fisher diniert und dabei einen Leibwächter als Tischpartner genannt.

NMA News hat nach Antennagate auch diese Affäre kongenial animiert. Nach den neuesten Enthüllungen vielleicht eine Fortsetzung?

Doch selbst in streng puritanischen US-Kreisen gilt das nicht als ernsthafter Grund, einen CEO zu feuern, der das Unternehmen durch harte Sparmaßnahmen wieder auf Kurs brachte. Anleger strengen bereits eine Sammelklage an, da Hurds unüberlegter Hinauswurf den Wert von HP um 14 Milliarden US-Dollar verringert habe – das Unternehmen habe in kurzer Zeit 15 Prozent an Wert verloren. Oracle-Chef und Hurd-Freund Larry Ellison geißelte die HP-Entscheidung mit deutlichen Worten als grundfalsch.

Hurd vermochte in seinen fünf Jahren bei HP die Umsätze von jährlich 80 Milliarden auf 115 Milliarden Dollar jährlich zu steigern. Die Gewinne stiegen um jährlich 18 Prozent, beachtlich für ein Unternehmen dieser Größe. Kann es sein, dass ein CEO nach dieser Leistung aufgrund unbewiesener Anschuldigungen und unklaren Spesenabrechnungen in die Wüste geschickt wird – und das auch noch mit Abfindungszahlungen in der geschätzten Höhe von 40 Millionen Dollar?

Sparmaßnahmen und alte Rechnungen

Kann nicht sein, meinte die New York Times und forschte nach den „wahren Gründen, warum der HP-Chef vertrieben wurde“. Die Nachforschungen führten zurück zu einem früheren HP-Skandal, nach dem bereits Köpfe rollten bei HP. 2006 ging es in der „Pretexting“-Affäre um eine bei HP organisierte Bespitzelung, deren Opfer Journalisten sowie Mitglieder des eigenen Aufsichtsrats waren. Während andere gehen mussten, kam Hurd bei dieser Affäre glimpflich davon, könnte dabei aber nach Einschätzung der Zeitung eine wesentlich größere Rolle als bisher bekannt gespielt haben. Zugleich habe er die Untersuchung der Affäre an sich gerissen und sie für seinen weiteren Aufstieg benutzt.

Zutage kommt weiterhin, dass Hurd aufgrund seiner radikalen Sparmaßnahmen extrem unbeliebt war bei den HP-Mitarbeitern von der Basis bis ganz nach oben in den Aufsichtsrat hinein. Eine Umfrage enthüllte eine im Vergleich zu anderen Unternehmen hohe Unzufriedenheit der Mitarbeiter.

Viele warfen ihm auch vor, das Unternehmen unbarmherzig kaputt zu sparen. Besonders übel nahmen sie ihm in diesem Zusammenhang die stark verringerten Ausgaben für Forschung und Entwicklung, mit denen sich der Konzern selbst die Zukunft verbaue. Tatsächlich halbierte HP diese Ausgaben von 2005 bis 2010 fortwährend von zuvor über 4 Prozent der Umsätze auf nur noch gut zwei Prozent.

Gaben PR-Berater den Ausschlag?

Was auch immer letztlich ausschlaggebend war, bei HP waren viele Rechnungen offen. Den letzten Anstoß könnten ausgerechnet PR-Berater gegeben haben, auf die der Aufsichtsrat vielleicht zu sehr vertraute. Die Public-Relations-Firma APCO malte offenbar die potenziellen Folgen eines sich entwickelnden Sex-Skandals in extrem düsteren Szenarios aus. Um die mögliche Rufschädigung aufzuzeigen, wenn HP nicht sofort handle, verfassten sie sogar selbst einen beispielhaft negativen Zeitungsartikel.

Zur Furcht der HP-Aufseher könnte beigetragen haben, dass Jodie Fisher die als „Pitbull“ bekannte Promi-Anwältin Gloria Allred beauftragt hatte. Weder HP noch Anwältin Allred wollten die neuesten Entwicklungen in der Hurd-Fisher-Saga kommentieren.

Screenshot: NMA News

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