WePad: Ein Hype mit kleinen Fehlern

Von am 13. April 2010 3 Kommentare 

Die offizielle Vorstellung einer angeblichen iPad-Alternative konnte nur technisch weniger versierte Medien beeindrucken

Seine Publicity verdankt das Tablet eines kleinen Berliner Unternehmens den Wunschträumen der Verleger, die mit Tablets ihre Abo-Modelle in die Zukunft zu retten hoffen. Die einen geben sich ganz dem iPad hin. Andere wollen Apples Kontrollbedürfnisse und Zensur vermeiden, suchen verzweifelt nach einem Anbieter, der das ultimative Hype-Tablet verspricht.

Da sind sie bei der Berliner Neofonie GmbH genau richtig, die alles verspricht, aber nur wenig vorzeigen kann. Mit einem ähnlich spiegelnden Display vermeidet WePad nicht einmal einen entscheidenden Fehler des Vorbilds von Apple. Mit 800 Gramm und mehr wird es noch schwerer als das iPad, das schon schwergewichtig ist im Vergleich zu einem E-Reader. Andererseits soll Intels Atom-Chip verbaut werden, was die Chance vergibt, auch in der Akkulaufzeit mitzuhalten.

Atom statt einem effizienteren Prozessor der ARM-Architektur ergäbe im Prinzip nur Sinn mit Windows, weil das Microsoft-Betriebssystem eben nicht ohne x86-Prozessoren kann. Tatsächlich ist aber angeblich ein angepasstes Linux vorgesehen, das irgendwie auch noch kompatibel werden soll mit Anwendungen für Android. All diese Pläne scheinen jedoch nicht übermäßig fortgeschritten zu sein, denn der einzig präsente Prototyp zeigte nur ein Video der vorgesehenen Bedienoberfläche. Eine peinliche Fehlermeldung jedoch verriet, dass es tatsächlich mit Microsoft Windows lief.

Ach so, deshalb ein Intel-Prozessor, nur für die Pressekonferenz? Um mit Windows vorzuführen, was in echt nicht läuft?

Hier passt noch viel mehr nicht zusammen, aber Mainstream-Medien ließen sich nicht lange bitten und bereitwillig ein auf das Versprechen einer iPad-Alternative, die schon vor der Tür steht („das ist sie, die deutsche Antwort auf das iPad“).

Gesichtet wurde eine „hohe Anzahl von Medienvertretern fachfremder Publikationen bei der WePad-Vorstellung“. Wohlwollend fiel auch der Bericht des Magazins stern aus, das selbst auf dieser Tablet-Plattform erscheinen möchte. Nur N-TV fühlte sich schon in der Ãœberschrift „Vom WePad veräppelt“ und fragte verblüfft: „Wo ist die versteckte Kamera?“

Bestellungen werden gerne schon ab dem 27. April zu Preisen ab 449 Euro angenommen. Geliefert werden soll „in kleinen Margen“ ab Juni, ab August „in beliebigen Stückzahlen“. 20.000 Interessenten haben sich bisher bereits „für die Vorbestellung eintragen lassen“.

Screenshot: Androidpads

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Kommentare

3 Stellungnahmen zu “WePad: Ein Hype mit kleinen Fehlern”
  1. benni sagt:

    Hallo,
    Fakt ist: Das Gerät konnte noch niemand ausgiebig testen, ein abschließendes Urteil bleibt daher abzuwarten. Mit ihrem Text schlagen Sie ironischerweise also genau in die selbe Kerbe wie die „weniger versierten Medien“….

  2. klabec sagt:

    Eigentlich konnte das Gerät doch überhaupt niemanden beeindrucken, oder?

  3. Inventore sagt:

    … wobei auch das iPad eher die technisch weniger Versierten beeindruckt, wie so viele nette Geräte aus der i-Reihe…

    Zum Glück hat wenigstens das WePad einen zeitgemäßen Screen im Breitformat!