Android, Chrome OS – oder was?

Von am 26. Mai 2010  

Mit dem zunehmenden Erfolg von Android stellt sich die Frage, warum sich Google mit Chrome OS für ein weiteres Betriebssystem engagieren sollte

Android wurde ursprünglich als Betriebssystem für Mobiltelefone konzipiert, breitet sich aber unaufhaltsam aus auch auf größere Displays, auf Tablets, TV-Geräte, Infotainmentsysteme in Fahrzeugen und mehr. Schon Mitte 2008 zeichnete sich diese Android-Invasion ab, noch bevor T-Mobile mit G1 das erste Android-Smartphone anbot.

Dennoch kündigte Google im November 2009 mit Chrome OS ein weiteres Betriebssystem mit einem radikal neuen Konzept an, das kompromisslos auf lokal installierte Anwendungen verzichtet: Ein abgespecktes Linux startet mit optimierter Hardware blitzschnell in den Browser und seine Web Apps. Es sollte vor allem für Netbooks eine sichere, einfache und schnelle Alternative zu Betriebssystemen wie Windows bringen, später vielleicht auch für den Desktop-PC.

Ein überraschender Vorstoß, den auch viele Verfasser von Tech-News bis heute nicht so richtig nachvollziehen können. Ernsthaftere Experten aber sehen inzwischen Android und Chrome OS auf einem Kollisionskurs und machen das vor allem am „Google Tablet“ fest, das mal mit Chrome OS und dann wieder mit Android erwartet wird. Auf der einen Seite beschäftigen sich die Chrome-Entwickler explizit mit einer Multitouch-Bedienung für Tablets, auf der anderen Seite steht der Stapellauf ganzer Flotten von Android-Tablets verschiedener Hersteller bevor.

3D-Desktop für das Android-Tablet

Inzwischen aber hat sich Google mit BumpTop Technologies einen kanadischen Entwickler von 3D-Desktops mit Multitouch-Fähigkeiten zugelegt. Dieser Zukauf erfolgte laut Om Malik bei GigaOM mit der Absicht, auf dieser Basis eine einzigartige Bedienoberfläche über Android zu legen – für einen kommenden iPad-Rivalen von Google. Es könnte genau das sein, was Android noch fehlt, um es im Tablet-Markt mit Apple und seinem iPad aufzunehmen.

Das hört sich plausibel an, und Malik beruft sich dabei „auf Leute, die es wissen“. Er geht noch weiter und stellt die Existenzberechtigung von Chrome OS in Frage: „Android hat gewonnen – ist es nicht Zeit für Chrome OS, um zur Seite zu treten?“ Erik Sherman schoss sich schon vorher auf Chrome OS ein: „Ein Google-Tablet bedeutet, dass es Zeit ist, Chrome OS zu killen.“

Chrome OS und die Evolution

Nicht so schnell, ist dazu von Google zu hören. „Ich sollte vielleicht darauf hinweisen, dass Chrome OS noch gar nicht eingeführt wurde“, erklärte Android-Chef Andy Rubin.

Google fährt offenbar bewusst eine Strategie der zwei Betriebssysteme und steht auch weiterhin zu Chrome OS, obwohl selbst Google-Gründer Sergey Brin eine zukünftige Konvergenz beider Betriebssysteme nicht ausschließen wollte. Schon Chrome als Browser habe bereits viel angeschoben für das Web-Ökosystem, Chrome OS komme noch stärker, argumentiert Googles VP of Engineering Vic Gundotra:

„Denken Sie daran, wie Chrome der schnellste Browser wurde und wie es all die Browser beeinflusst hat. Chrome OS wird die gleiche Strategie fortführen, um mehr aus dem Web zu machen.“

Letztlich steht dahinter die Mentalität der Google-Entwickler, einfach alles zu versuchen, was Erfolg verspricht – und dann mal zu sehen, was geschieht. „Unsere langfristige Sichtweise ist die, dass es von strategischer Bedeutung für unser Business ist, das Web besser zu machen“, erklärt Gundotra.

„Um es etwas anders zu sagen, wir halten es für wichtig, dass Google an der Evolution der Web-Technologien teilnimmt“, ergänzt Andy Rubin. Diese Äußerungen sagen viel über Google und seine Unternehmenskultur aus. Als Internet-Unternehmen plant es weniger und entwickelt mehr, lässt eine evolutionäre und überraschende Entwicklung zu. Wie der Android-Gründer eben in einem Interview verriet, gibt es für Android keine Fünf-Jahres-Pläne wie bei anderen Unternehmen, vielmehr immer nur eine Roadmap für die nächste Version und die Absicht, alles Machbare in ihr zu realisieren.

Montage: Chromoid

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