Android-Smartphone als Bordcomputer eines Satelliten

Von am 24. Januar 2011  

Android Ansichten im WeltraumAndroiden gehen in Umlaufbahn

Im Dezember ließen Google-Entwickler Wetterballons steigen, um die Funktionsfähigkeit von Android-Handys in einer Weltraum-Umgebung von über 32.000 Meter Höhe zu erproben. Die Sensoren taten ihren Dienst auch noch in größter Kälte und einer extrem dünnen Atmosphäre, wie die Messdaten bewiesen.

„Moderne Smartphones sind wirklich erstaunlich“

Noch einen Schritt weiter will jetzt ein britischer Hersteller „handelsüblicher“ Satelliten gehen und ein Android-Smartphone zur Steuerung eines „Nano-Satelliten“ mit einer Länge von 30 cm und einem Gewicht von 4 kg einsetzen. Surrey Satellite Technology Limited (SSTL) setzt dabei auf ein ganz regulär im Handel gekauftes Mobiltelefon zum Preis von etwa 300 Britischen Pfund. Wie Forschungsleiter Dr. Chris Bridges erklärt, ist es die ideale Fracht für den Start ins All – und nicht zuletzt durch das Open-Source-Betriebssystem Android:

„Smartphones beinhalten zahlreiche Komponenten – wie Sensoren, Videokameras, GPS-Systeme und WLAN-Module – die technisch hochentwickelt sind, aber im Vergleich zu herkömmlichen Satellitensystemen nur einen Bruchteil an Größe, Gewicht und Kosten für die Komponenten ausmachen. Und weil viele Smartphones außerdem mit freien Betriebssystemen laufen, wie sie Entwickler von Online-Software schätzen, können die Anwendungsentwickler für Smartphones problemlos Apps für Satelliten entwickeln.“

„Im Idealfall übernimmt das Mobiltelefon die Steuerung und das Denken“

Da Smartphones nicht für den Weltraumeinsatz entwickelt wurden, müssen sie vor dem Start eine ausführliche Testreihe durchlaufen. Es folgt ein Test in der Umlaufbahn, bei dem ein in den Satelliten integrierter Computer die Funktionen des Mobiltelefons unter Weltraumbedingungen überwacht und mögliche Ausfälle von Komponenten aufzeichnet. Bilder und Nachrichten des Smartphones gehen über die Funkverbindung des Satelliten zurück zur Erde. Erst nach Abschluss aller Tests überlässt es der Computer dem Smartphone, Teile des Satelliten zu steuern. Das ehrgeizige Ziel ist dabei, dass das Handy letztlich die Kontrolle aller Subsysteme übernimmt und auch für Navigation und Kurskorrekturen sorgt.

Bestehen die Smartphones den überraschenden Härtetest im Weltraum, kann sich das als bahnbrechend erweisen und Satellitentechnik für viele neue Einsatzzwecke erschwinglich machen. Zum Schutz vor extremen Temperaturen und Strahlung wird das Handy in einem schützenden Gehäuse innerhalb des Satelliten platziert.

Testobjekt ist ein Android-Smartphone, aber noch nicht verraten wurden Hersteller und das gewählte Modell. Es kommt in jedem Fall zum Einsatz, wie es aus der Packung kommt: „Wir nehmen es nicht auseinander. Wir weiden es nicht aus. Wir nehmen nicht die Platinen heraus und verlöten sie erneut in unserem Satelliten – wir fliegen es, wie es ist.“

Screenshot: Google / YouTube

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