Angetestet: Opera 10 Beta

Von am 3. Juni 2009 5 Kommentare 

opera-10-betaDiesen schlanken Browser aus dem kleinen Norwegen fanden schon immer alle sympathisch, aber kaum einer nutzte ihn. Mit Version 10 in der öffentlichen Beta entfaltet er eine neue Charmeoffensive.

Nochmal 40 Prozent schneller möchte Opera sein. Das allerdings hört sich nach dem Spiel Hase und Igel an, und erste Vergleichsmessungen bestätigen es. Sie geben Google Chrome einen vielfachen Vorsprung, wenn es um Geschwindigkeit pur geht.

Zugegeben, ein reichlich unfairer Vergleich. Denn Opera ist längst eine Browsersuite mit dem Komfort einer Pullman-Limousine, während Chrome als Roadster mit extrem leichtgewichtiger Karosserie überholt. Gerade in diesen beiden Webbrowsern zeigen sich völlig entgegengesetzte Konzepte. Die Google-Strategen pflegen Chrome als schnelle und neutrale Plattform für ihre Webdienste, Opera hingegen hat bereits mehr Funktionalität an Bord als jeder andere Browser.

Integriert ist nicht nur ein voller E-Mail-Client wie einst in den Suiten von Netscape und Mozilla, sondern auch ein Bit-Torrent-Client, woran sich noch kein anderer Browser-Anbieter wagte. Ein eigener Synchronisierungsdienst steht bereit, um Bookmarks und mehr mit anderen Geräten zu synchronisieren.

Visual Tabs

Opera ist für die historische Leistung bekannt, erstmals die inzwischen unverzichtbaren Tabs in einem Browser eingeführt zu haben. Darauf setzt Version 10 noch einmal einen drauf mit Visual Tabs. Diese kleinen Vorschaubilder der einzelnen Tabs werden über dem Browserinhalt sichtbar, wenn das Feld dafür mit der Maus aufgezogen wird. Wer nur wenig wertvolle Desktopfläche zu opfern hat, kann den Vorhang zu den Thumbnails auch nur einen Spalt breit öffnen und die Tabs vielleicht mit einem kleinen optischen Einblick identifizieren. Schon das Mouseover bringt einen optischen Einblick in den Inhalt eines einzelnen Tabs.

Eine gute und geschickt ausgeführte Idee, an die man sich schnell gewöhnt. Erinnert mich ein wenig an die Exposé-Funktion in Mac OS X, die mit ähnlich einfachen Mitteln mehr Durchblick über offene Anwendungen verschafft. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis andere Browser ähnlichen visuellen Tab-Durchblick bringen.

Erweiterte Schnellwahl

Aufgebohrt hat Opera die Schnellwahl-Seite, inzwischen in ihrer ursprünglichen Form kopiert von Chrome. Sie ist erweiterbar oder einzuschränken je nach Größe des Bildschirms, zeigt entsprechend zwischen 2 x 2 bis zu 5 x 5 Vorschaubilder der häufig besuchten Websites an. Selbst an die beste Nutzung von Widescreen-Formaten ist gedacht. Neu ist weiterhin ein wählbares Hintergrundbild für die Schnellwahl.

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Mehr Durchblick mit Visual Tabs und erweiterter Schnellwahl

Opera Turbo

Ein weiteres Feature holt Opera 10 mit Opera Turbo von der mobilen Browservariante Opera Mini, die schon länger über einen Proxyserver die Bilder komprimiert und damit das Surfen unter widrigen Bedingungen beschleunigt. Könnte sich als nützlich erweisen bei Modemeinwahl oder einer mobilen Datenverbindung, die Mobilfunker trotz Flatrate nach einem bestimmten Datenverbrauch auf GPRS-Geschwindigkeit herunterbremsen.

Das laut Opera bis zu 80 Prozent beschleunigte Laden hat allerdings einen Preis, nämlich gröbste Artefakte in den Bildern. Bei manchen Motiven wirkt das fast schon erschreckend.

Die Funktion ist über ein unauffälliges Tachosymbol links unten zu wählen und kann so konfiguriert werden, dass der Turbomodus nur anspringt, wenn die Verbindung unerträglich langsam ist. Diese durchdachte Funktion möchte man allerdings wirklich nur im Fall der Fälle nutzen, denn die Bilder wirken noch weit stärker komprimiert als bei der oft ungefragt durchgeführten serverseitigen Kompression durch die Mobilfunkanbieter.

Nett, aber …

Opera hat aus guten Gründen eine überzeugte Nutzergemeinde, die Zulauf bekommt durch die ähnlich gestalteten Opera-Versionen für Handys und andere mobile Geräte. Mit Opera 10 holt Opera wieder einen Vorsprung mit intuitiver Bedienung und durchdachten Funktionen heraus. Hier zahlen sich zweifellos die Erfahrungen in der Entwicklung von mobilen Browsern aus.

Mich kann Opera allerdings wieder nicht von Firefox wegholen. Da sind vor allem ein paar unverzichtbare Erweiterungen vor, für die ich bei Opera keine Entsprechung finde. Opera bietet zwar als Widgets „kleine Web-Programme, die außerhalb des Browsers laufen“, jedoch überwiegend in Kategorien wie „Fun and Games“. Geht es hingegen um höchste Geschwindigkeit und Crash-Sicherheit für Webanwendungen, punktet bei mir inzwischen Chrome als Zweitbrowser.

Die Wahl zwischen Browsern dieser Güteklasse hängt letztlich von den eigenen Präferenzen ab oder ist einfach nur Geschmackssache. Das Surfen mit Opera bietet durchdachte Features, gute Usability und mehr visuelles Vergnügen als andere Browser. Designer Jon Hicks arbeitet noch immer an seinem gefälligen Opera-Look, der sich bis zur endgültigen Version 10 noch einmal deutlich verändern könnte. Opera ist tatsächlich mehr als einen Blick wert.

(bk)

Opera 10 Beta gibt es für Windows, Mac und Linux. Beim Download der Betaversion ist „English Installer“ zu wählen, sonst stellt das Download-Angebot automatisch auf die letzte stabile Version 9.x mit internationalem Installer um.

Zum Thema bei TecZilla:

Google Chrome 2: Nicht viel Neues zu sehen

Zum Thema im Web:

Opera 10 Beta (Download-Seite)

Abbildung: Screenshot: Opera 10 Beta

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Kommentare

5 Stellungnahmen zu “Angetestet: Opera 10 Beta”
  1. Kohloe sagt:

    Benutz opera auch nur als Zweitbrowser. Gibt leider tatsächlich nen par Webseiten die FF nicht richtig darstellt (vlt auch wegen irgend nem addon). Oder aber wenn man über zwei versch. IPs von einem Rechner surfen will, dann is opera auch ganz praktisch.

    Richtig anfreunden konnt ich mich mit dem Browser allerdings noch net. Ich hör immer was von ultimativen Maus Gesten, aber kA wie die funktionieren.
    Gibts eigentlich sowas wie AdBlockPlus für Opera?

  2. Kohloe sagt:

    Version 10 werd ich wohl öfter benutzen. Dank deinem Review, und dem Turbo Button!

  3. bk sagt:

    Diese Mausgesten hatte ich auch vor Jahren mal probiert, aber gleich wieder vergessen. Sie müssen erst in den Einstellungen aktiviert werden. Dachte immer, die benutzt keiner.

    Adblocker soll es geben, aber nicht mit importierbarer Filterliste.

  4. Anno dazumal sagt:

    Ja, das mit dem Adblocker-Widget habe ich auch gehört – da kann man dann einfach die Filterlisten von ABP verwenden und hat somit die gleiche ABP-Funktionalität. Automatische Updates der Liste funktionieren natürlich nicht.

    Ansonsten sind die Widgets totaler Schwachsinn! – Weiß nicht, was die in einem Browser zu suchen haben. Wer Minianwendungen will, kann sich doch eine systemweit aufrufbare Widget-Engine installieren. Für das Mini-Spiel zwischendurch kann man einfach ein Browser-Game nutzen (mit Chrome auch richtig schnell).

    Auch der Mail-Client ist Mist. GoogleMail ist eigentlich schon komfortabel genug. Wer einen Offline-Clienten will, der kann sich solch einen auch zusätzlich installieren.

    => die Widget-Funktionalität und der Mail-Client finde ich schon zu viel Bloatware.

    Mausgesten nutze ich nicht, da sind Tastenkombis einfach schneller. – Dafür gibt es aber auch Fx-Erweiterungen.

    Auch die Visual Tabs sind nichts besonderes – Die FoxTab-Erweiterung (am besten gleich die neue beta) für Fx ist da einfach viel genialer! (benötigt aber glaube ich Flash-Plugin)

    Zudem finde ich die Sidebar-Funktionalität mit der ständigen Werkzeugleiste am linken Rand nervig – hier ist AIOS für Fx ebenfalls um Längen überlegen (und wurde ironischerweise durch Opera inspiriert).

    => Alles in allem ist Fx durch seine Erweiterungen jedem anderen Browser überlegen.

    Etwas wenig konstant finde ich das Design von Opera, es ändert sich mit jeder Version stets total. Und es wird dabei immer schlechter!
    Irgendwie finde ich die blauen Tabs 7er und 8er Version noch am besten. Wobei auch dort der komisch blaue Dialog-Hintergrund störte.
    (Schön ist aber, dass man bei Opera Skin-Änderungen ohne Neustart durchführen kann.)

    Hoffentlich legt Jon Hicks noch einige Umdrehungen zu, denn sonst kommt Opera an Kempelton für Fx keines Falles heran!
    Gegenüber Chrome finde ich Opera aber immer sehr attraktiv – irgendwie gefällt mir das minimalistische Chrome-Design nicht so recht…

    Richtig kewl ist dagegen der Turbo-Modus – für alle Modemsurfer, welche nur die reine Information wollen und denen der Look egal ist, werden diese Funktion lieben!

    Was auch noch richtig gut ist, ist die Tatsache, dass Formulareingaben nicht willkürlich gespeichert werden, wie im Fx, wo einem ständig irgendwelche oftmals falschen Vorschläge gemacht werden (irgendwie Webseiten-abhängig, ein richtiges Schema konnte ich aber noch nicht erkennen), sondern man für jede Art von Formularfeld (Name, Straße, E-Mail usw.) eine eigene Liste anlegen kann, welche einem dann als Vorschlag angezeigt wird.
    -> Kennt jemand zufällig ein Addon für Fx mit ähnlicher Funktionalität?

    >> Für mich ist Opera ein netter Zweitbrowser – und das wird auch so bleiben.

  5. Anno dazumal sagt:

    PS: Opera Wand ist auch noch richtig fetzig – dafür gibt es aber auch mit Secure Login ein Fx-Pentant.