Apple lockert Regeln für den App Store, erlaubt alle Entwicklertools

Von am 9. September 2010 2 Kommentare 

Eine magische Kehrtwende

Die Erklärung Apples ist eingefasst in Wendungen über den eigenen App Store als „den vielleicht wichtigsten Meilenstein in der Geschichte von Anwendungen für Mobiltelefone“ , der die Entwicklung von Anwendungen „revolutioniert“ habe. Die Botschaft aber ist eine 100-prozentige Wende gegenüber den bisherigen Vorgaben Apples, noch vor kurzem rigoros verteidigt von Steve Jobs selbst:

„Wir haben auf unsere Entwickler gehört und uns viel von ihrem Feedback zu Herzen genommen. Aufgrund ihrer Rückmeldungen setzen wir heute einige wichtige Veränderungen in der Lizenz für die Entwicklung von iOS-Anwendungen um in den Abschnitten 3.3.1, 3.3.2 und 3.3.9, um einige Einschränkungen zu lockern, die wir früher in diesem Jahr eingeführt haben.

Insbesondere lockern wir alle Einschränkungen über die Entwicklungswerkzeuge, die benutzt werden, um Apps für iOS zu schaffen, solange diese Anwendungen keinen weiteren Code downloaden. Das sollte Entwicklern die Flexibilität geben, die sie wollen, während es die Sicherheit erhält, die wir benötigen.“

Darüber hinaus verspricht Apple, erstmals die Prüfungrichtlinien zur Aufnahme von Anwendungen in den App Store zu veröffentlichen. Das kommt, nachdem eine fast endlose Serie von Zensurskandalen und offenbar willkürlichen Ablehnungen die Entwickler verunsicherte.

Zuvor hatte Apple die unmittelbare Entwicklung in C, C++, Objective-C sowie Javascript für die Webkit-Engine verfügt. Vollständig untersagt war damit die Entwicklung mit plattformübergreifenden Werkzeugen, da sie laut Jobs nur geringwertige Apps erzeugten. Erlaubt ist damit wieder, gleichzeitig für mehrere Plattformen zu entwickeln, für viele Entwickler aus wirtschaftlichen Gründen unverzichtbar, nicht zuletzt bei Spielen.

In Zukunft können sie zugleich auf Apples iOS, Googles Android OS und Microsofts Windows Phone 7 zielen, einmal entwickeln und auf verschiedene Plattformen portieren. Sie können demnach auch Adobe-Tools für Flash einsetzen, um Apps für das iPhone zu schaffen – genau das hatte Apples CEO zuvor mit scharfen Formulierungen geschmäht.

Ãœber die tatsächlichen Gründe für den Sinneswandel darf spekuliert werden, denn Apple ist nicht eben dafür bekannt, sich Beschwerden „zu Herzen zu nehmen“. In den letzten Wochen verstärkten sich Hinweise darauf, das die US-Handelsaufsicht FTC einer Klage Adobes gegen Apples Ausschluss von Flash nachgeht. Eine Rolle gespielt haben könnte auch der wachsende Erfolg von Google Android OS, den Jobs unlängst mit Zahlenspielen zu relativieren versuchte.

Wahrscheinlicher ist aber doch ein Zurückweichen Apples vor drohenden kartellrechtlichen Ermittlungen. Dafür spricht auch die avisierte Änderung von Abschnitt 3.3.9. Er betrifft Anwendungsdaten und zielte direkt auf die von Google übernommene Werbefirma AdMob sowie andere im Wettbewerb stehende Unternehmen.

Abbildung: Consumer Reports

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Kommentare

2 Stellungnahmen zu “Apple lockert Regeln für den App Store, erlaubt alle Entwicklertools”
  1. ich kauf Apple Aktien sagt:

    „Eine magische Kehrtwende“

    Ich glaube Apple ist innovativ und viele andere Firmen kupfern und kopieren einfach nur. Ist ein gewisser Anpassungsprozess nicht normal? Gerade wenn man über solche Dimensionen spricht würde ich doch etwas zurückhaltender über Apple berichten und nicht einfach immer nur reinpreschen. Nahezu in jedem Beitrag der letzten Wochen wurde sich stets über Apple lustig gemacht oder es wurde ein imaginärer Unmut mitgeteilt, den ich nicht teilen kann.

    Jeder kann nur noch meckern in Deutschland. Ätzend. Leider bin ich mit meinem Beitrag hier auch nicht besser – ich mecker ja auch … 😉

    Ich finde Apple Produkte klasse und stehe dazu. Macken hat jedes Produkt – nur Apple`s Macken werden breitgelatscht…

  2. Ploetzeneder sagt:

    Die Apple Richtlinien sind gerade auch für die Kunden toll. Wir entwickeln für das iPhone mittels Monotouch, einem Drittanbieter SDK, welches um einiges schneller geht als das normale SDK. Die Software kostet zwar knapp 4000€ (in der guten Version), aber das Geld ist gut investiert. Die Kunden bekommen bei uns (http://www.ploetzeneder-it.com) schneller Software. Das bedeutet günstigere Software. Und mehr Kunden für uns.

    So freut uns das natürlich sehr 🙂

    Apple musste das machen um nicht wieder gegen Microsoft zu verlieren, damals haben sie ja verloren, weil sie sehr restriktiv waren. Das war ein Fehler , aus dem sie offensichtlich gelernt haben

    Grüsse,
    Andreas
    info(at) ploetzeneder.eu