Apples Patentklagen beflügeln Microsoft

Von am 10. März 2010  

Wer hat das größte Patentportfolio im Lande? Microsoft hofft, dank der von Apple geschaffenen Unsicherheiten wieder einen Stich machen zu können mit Windows Mobile.

Apple schüchtert mit Klagedrohungen schon länger Handyhersteller ein, um sie von „iPhone-Killern“ abzuhalten. Nicht mehr die Innovation, sondern die Stärke der angesammelten Patente entscheidet über die Marktentwicklung.

Wie aus einem Bericht des Analysten Yair Reiner von Oppenheimer hervorgeht, hat sich Apple hinter den Kulissen mit führenden Handyherstellern unterhalten und großes Ungefallen an behaupteten Patentverstößen zum Ausdruck gebracht. Die schließlich gegen HTC eingereichte Klage war demnach nur das sichtbare Ausrufezeichen hinter dem von Apple aufgebauten Druck.

Es begann Anfang 2009 mit Tim Cooks ersten Drohgebärden, die sich zunächst vor allem auf Mulitouch-Gesten auf mobilen Geräten bezogen. Tatsächlich hielten sich die wichtigen Hersteller wie LG, Samsung und Nokia in den folgenden Monaten von Multitouch fern.

Die Ausnahme war Palm, gegen das Apple jedoch nicht klagte – entweder weil Palm nicht als strategische Bedrohung gesehen wurde oder des ungewissen Ausgangs wegen, da Palm über ein vielleicht sogar stärkeres Patentportfolio verfügt. Manche Beobachter vermuten auch, dass Apple sich nicht sicher sein konnte, ob die Multitouch-Patente vor Gericht Bestand haben könnten, und nur deshalb keine Klage riskieren wollte. Dafür spricht vielleicht, dass Apple die Klage gegen HTC mit einem bunten Sammelsurium von rund 20 Patenten munitionierte.

Multitouch aber war der Punkt, an dem Apple glaubte reagieren zu müssen. Der entscheidende Zeitpunkt kam, als Motorola und HTC sich an Multitouch wagten, argumentiert Reiner:

„Die führenden Handyhersteller vermieden es weiterhin, Multitouch zu implementieren. Apple konnte aber mit Gewissheit davon ausgehen, dass sie sich zurückhielten und Apples Reaktion auf Motorola sowie HTC abwarteten. Wenn sie nicht erfolgte, dann würden die OEM-Hersteller das Schweigen vermutlich als grünes Licht interpretieren, insbesondere nachdem Google ebenfalls Multitouch auf seinem Nexus One zugelassen hatte.“

Warum kam HTC ins Visier? Als früher und besonders aggressiver Anbieter von Android-Smartphones stand der taiwanische Hersteller stellvertretend für das eigentliche Ziel, das Google heißt. Wie die Patentkriege ausgehen, wagt derzeit niemand ernsthaft vorherzusagen, zumal dank des absurden US-Patentrechts gleichzeitig ein gutes Dutzend Hersteller der Handybranche in Klagen und Gegenklagen verwickelt sind.

Derzeit nicht betroffen sind Palm und Microsoft. Damit gibt es auch einen lachenden Dritten, denn zumindest bei Microsoft kommt Freude auf über die günstige Gelegenheit, wieder ein paar Partner für das Windows-Mobile-Lager zu gewinnen, wie Oppenheimers Analyst hinter den Kulissen zu hören bekam:

„Unsere Nachforschungen weisen darauf hin, dass Microsoft diese aufkeimende Gelegenheit schnell erkannt und damit begonnen hat, aggressiv die Stärke des eigenen Patentportfolios anzupreisen wie auch die Bereitschaft, den eigenen Kunden beizustehen bei patentrechtlichen Angriffen.“

Abbildung: Gaobo / CC

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