Datenskandal: 6 Millionen Datensätze – 900 Euro Strafe

Von am 18. Januar 2009 2 Kommentare 

Der illegale Handel mit persönlichen Daten gilt noch immer als Kavaliersdelikt und wird bestenfalls mit einer Bagatellstrafe geahndet. Woher die Daten kamen, will offenbar niemand wissen. Und die Deutsche Telekom versucht mit nur begrenztem Erfolg, Kundendaten wieder einzusammeln, die sie selbst großzügig in Umlauf gebracht hat.

Der 22-jährige frühere Callcenter-Mitarbeiter hatte 6 Millionen Datensätze angeboten und verkauft. Den Kauf veranlasst hatte allerdings der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv), um zu beweisen, wie leicht sensible Konteninformationen auf dem Daten-Schwarzmarkt zu bekommen sind.

Nicht, dass es viel bewirkt hätte, wie weitere Datenskandale seither beweisen. Nicht eben abschreckend dürfte auch wirken, dass das Amtsgericht Münster den Täter mit einer Bagatellstrafe von 900 Euro beglückte. Das dürfte mit Daten handelnde Callcenter-Unternehmungen so gut wie nicht beeindrucken. Die oft für Energieversorger, Kabelfernsehbetreiber und Telekomanbieter tätig sind und nicht zuletzt durch ihre Auftraggeber mit den vertraulichen Daten ihrer Kunden versorgt wurden.

Wie diese Daten auf den Schwarzmarkt geraten, könnte zum Beispiel der Ex-Monopolist Deutsche Telekom aufklären helfen. Der kennt die Schwachstellen, durch den die Daten entschlüpfen, offenbar ziemlich gut. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, wurden personenbezogene Kundendaten nicht nur den eigenen Abteilungen, sondern auch 1130 externen, selbständigen Vertriebspartnern überlassen. Lange Zeit habe die Telekom alle Augen zugedrückt, wenn sich diese Partnerfirmen wiederum mit teilweise dubiosen Callcentern zusammen taten und alle Kundendaten an Subunternehmen fließen ließen.

Inzwischen bemüht sich die Telekom, diese Daten wieder einzusammeln. Sie forderte die Händler auf, alle „auf lokalen Datenträgern gespeicherten personenbezogenen Daten unserer Kunden unverzüglich zu vernichten beziehungsweise datenschutzrechtlich zu löschen“. Trotz einer gesetzten Frist kam angeblich nur ein Teil der Händler diesem Verlangen nach. Ihren Widerstand begründen sie unter anderem mit dem Argument, die Telekom wolle an Händlerprovisionen sparen und lieber alles über die eigene Hotline abwickeln.

Die Daten sind in Umlauf, sie bleiben in Umlauf. Der illegale Datenhandel wird nicht ernsthaft verfolgt. Die nächsten Datenskandale sind in Sicht.

(bk)

Abbildung: Wikimedia Commons / GNU Free Documentation Licence

Spiegel (Vorabmeldung)

Wiwo

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Kommentare

2 Stellungnahmen zu “Datenskandal: 6 Millionen Datensätze – 900 Euro Strafe”
  1. Anonymous sagt:

    900 Euro finde ich ok – aber nur, wenn die pro Datensatz verlangt würden!!

  2. fangorn sagt:

    Ack!

    So wie die RIAA ihre Schadensummen festsetzt.

    900 Euro für jeden betroffenen Kunden.