Intel-Chef Otellini träumt von erfolgreichen Smartphone-Chips

Von am 27. Februar 2010  

Mit LG hat er erst einen Hersteller für ein Intel-Smartphone gewonnen. Und will die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch Apple und Microsoft mitziehen.

LG GW990 wurde auf der CES im Januar angekündigt und soll im Lauf des Jahres kommen. Seine Grundlage ist der Moorestown-SoC mit Atom-Prozessor. Es sieht allerdings mehr nach einem MID (Mobile Internet Device) als einem Smartphone aus und blieb bislang das einzige angekündigte Mobiltelefon mit dieser Intel-Plattform.

Umgekehrt ist die Tendenz zu verzeichnen, dass sich die Prozessoren der ARM-Architektur in der bisherigen Intel-Domäne Netbooks und natürlich in Tablet-PCs ausbreiten. Für Smartphones sind sie ohnehin erste Wahl, zu den Lizenznehmern gehören unter anderem Samsung, Texas Instruments, Motorola und Apple. Inzwischen haben sie sogar als Dualcore-Chips, basierend auf ARM CortexA9 MPCore, die 1-GHz-Grenze überschritten und bleiben dennoch weit energieeffizienter als vergleichbare Chips von Intel.

Auch A4 in Apples Tablet iPad beruht auf ARM (Advanced RISC Machine), wurde als SoC (System on a Chip) mit ARM-Lizenz entwickelt. Über seine Eigenschaften sagt Apple bislang wenig im Detail, hebt nur Geschwindigkeit und bis zu 10 Stunden Akkulaufzeit für das iPad hervor. Der Einsatz einer solchen Eigenentwicklung ist auch in kommenden Versionen von iPhone und iPod touch zu erwarten.

Um selbst einen Chip für mobile Geräte zu entwickeln, übernahm Apple schon 2008 die Chipschmiede PA Semi für 278 Millionen US-Dollar und gewann damit eine Runde hochkarätiger Chipexperten. Später kamen weitere Experten hinzu, die Apple von AMD, Samsung, Qualcomm und auch Intel abwarb.

Es hört sich daher reichlich absurd an, wenn Intels CEO Paul Otellini öffentlich beteuert, er hoffe noch immer auf Intel-Chips in künftigen Generationen von iPhone und iPad: „Wir würden natürlich gerne beide Produkte mit unseren Chips bestücken. Dafür werden wir so lange werben, bis es uns gelingt.“

Das kann er selbst nicht glauben, das nimmt ihm keiner ab. Selbst bei Microsoft bleibt ihm derzeit nur die Hoffnung, die er im Interview mit der Wirtschaftswoche ausspricht: „Wir würden gerne Microsofts mobiles Betriebssystem auf unseren Prozessoren laufen sehen. Die Strategie von Intel war ja immer: Wenn es ein Betriebssystem gibt, sollen unsere Chips optimal damit zusammenarbeiten.“

Tatsächlich musste Intel bei der Verschmelzung des von Intel geförderten Netbook-OS Moblin mit Nokias Maemo zu MeeGo konzidieren, dass es auch Prozessoren der ARM-Architektur unterstützt. „Intel only“ geht bei Smartphones und Tablets schon gar nicht mehr.

Bleibt der erhebliche Trost, dass der PC eben noch immer nicht tot ist, wie schon vor zehn Jahren vorhergesagt, und derzeit über 300 Millionen Rechner pro Jahr über den Ladentisch gehen, noch immer ganz überwiegend bestückt mit Prozessoren von Intel. Darüber hinaus hofft Intel insbesondere auf das Geschäft mit Embedded Chips, deren Nachfrage Entertainment-Systeme in Fahrzeugen beflügeln sollen.

(bk)

Abbildung: LGEPR / CC (Intel-Chef Otellini kündigt bei der CES 2010 das erste Smartphone mit „Moorestown“ an)

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