Seehofer gibt den Beckstein: "Killerspiele" verbieten

Von am 15. März 2009 3 Kommentare 

Populisten können nicht anders. Nach jeder Schreckenstat kommt die Wiedergänger-Debatte um Medienverbote. Als bestimmten die Medien die Realität.

Schnelle Pseudo-Aktion ist angesagt nach dem Amoklauf in Winnenden. Ober-Bayer Seehofer ruft nach „schnellen, aber gründlichen Lösungen“ und möchte schon am Dienstag im bayerischen Kabinett über ein Verbot von „Killerspielen“ beraten. Zugleich hindert ihn die Stammtischhoheit der Schützenvereine, ernsthaft darüber nachzudenken, dass Amokläufe mit solchen Folgen nur mit Hilfe von Schusswaffen stattfinden können.

Es gibt weltweit Jugendliche im Ausflipp-Alter – von tödlichen Amokläufen aber ist vor allem aus Ländern zu hören, in denen Schusswaffen besonders leicht zugänglich sind. Wie aus den USA und auch aus dem kleinen Finnland, das sich einer extrem hohen Waffendichte rühmen kann. Der Vater des Amokschützen von Winnenden hatte gleich 18 Feuerwaffen zuhause in seinem Waffenarsenal – eine reichte, zusammen mit 200 Schuss Munition.

Ein bisschen besser auf die Schusswaffen aufpassen halt, meint der Seehofer. Auch über die Aufbewahrung von Waffen und über mehr Prävention werde das Kabinett beraten. Er hebt jedoch gleich seinem Vorgänger Günther Beckstein vor allem auf ein Verbot von Ballerspielen ab. Schon Beckstein hatte mit lautstarken „Killerspiele“-Verbotsforderungen vergeblich auf mehr Zustimmung gehofft.

Seine Absichten tat Seehofer gegenüber Bild am Sonntag kund. Das hat jetzt auch ein Gschmäckle, da gerade die Bildzeitung diese sinnlose Tat zum Medienereignis stilisiert und somit einen Tätermythos schafft. Ein Mythos, wie er schon morgen zu einer weiteren Nachahmungstat führen kann, so befürchten Kriminologen.

Bilder und Schlagzeilen reichen dafür längst nicht mehr, vielmehr inszeniert Bild.de die Tat tatsächlich wie ein Killerspiel: „Jetzt mit Video – Der Ablauf als Flash-Grafik“ (siehe Screenshot). Und möchte der Herr Ministerpräsident jetzt sein Sprachrohr BILD verbieten?

(bk)

Abbildung: Bild.de

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Kommentare

3 Stellungnahmen zu “Seehofer gibt den Beckstein: "Killerspiele" verbieten”
  1. Stefan sagt:

    Dem kann ich nur zustimmen. Es ist doch erstaunlich: Die Tatsache dass der Papi von dem durchgeknallten Junge eine Pistole unverschlossen im Nachttisch lagert ist kaum eine Erwähnung wert. Stattdessen wollen die Oberzensoren aus dem katholischen Bayern den Leuten wieder sagen, was sie zu lesen, surfen und spielen haben.

  2. schussel sagt:

    ^^klar doch, zensur fänd ich natürlich ok, nur noch csu-parteiblättchen und religiöse texte, solang es nicht die bibel ist, da is zuviel mord und totschlag drin (kann sich so manches spiel ne scheibe von abschneiden…)

  3. mc detlef sagt:

    @Stefan Das ist reine Spekulation, dass er die Waffe unverschlossen lagerte. wahrscheinlicher ist es dass er den Schlüsssel oder die Kombination des Safes kannte. Er ging mit dem Vater auch mit zum Schießen.
    Aber es ist trotzdem lächerlich sich immer auf die Spielemedien zu stürzen. Klar bestehen auch dort kleine Probleme z.B. Sucht. Aber ich habe noch in meinem Leben, dass jemand von einem ComputerSPIEL verletzt wurde, geschweige denn getötet.