Startups, in die Google investiert

Von am 4. Mai 2010  

Google Ventures investiert in neue Unternehmen – mit visionären Absichten bis hin zu einem Startup, das die Zukunft vorhersagen will

Google Ventures wurde als Wagniskapital-Arm vor einem Jahr gegründet, hielt sich bislang jedoch bedeckt, was die Mitarbeiter und die getätigten Investitionen angeht. Zum einjährigen Bestehen gibt es jetzt erste nähere Informationen zu den Investitionen, die Google gar nicht strategisch sehen will:

„Statt nach Investments zu sehen, die einfach nur strategisch nützlich wären für Google, suchen wir nach den besten unternehmerischen Vorhaben in vielfältigen Bereichen. Die Vorgabe unseres Fonds ist es, eine Rendite zu erzielen und zugleich Unternehmer zu unterstützen, die transformative Unternehmen schaffen.“

Grüne Autos und mobile Bezahldienste

Die ausgewählten Unternehmen bekommen nicht nur Risikokapital, erfahren vielmehr darüber hinaus Unterstützung durch „Googles kollektive Erfahrung“ und „über 200.000 Googler“. Mit den ersten zehn vorgestellten Unternehmen präsentiert sich tatsächlich eine reichlich bunte Mischung. Es reicht von Adimab, das auf der Grundlage von Hefe Antikörper zu entdeckten hofft, bis zu V-Vehicle, das mit V-Car ein „grünes Auto für die Massen“ erschwinglich machen will.

Andere zielen auf gewinnbringendes Online-Publishing, Geo-basiertes Gaming, ein Werbenetzwerk sowie eine Web-Plattform zum Erlernen von Sprachen. Besonders stechen jedoch mit Corduro und Recorded Future zwei Startups heraus, die ganz auf Googles strategischer Linie liegen könnten.

Corduro definiert sich als Plattform für verschiedene Bezahldienste, dürfte sich aber vor allem auf Bezahlung über Smartphones oder Tablets kaprizieren. Übersetzt sich das in eine benutzerfreundliche Anwendung für Android OS, bliebe auch der strategische Nutzen für Google nicht aus.

Ein Blick in die Zukunft

Das könnte auch für das Unternehmen Recorded Future gelten. Dieses Kristallkugel-Startup hat sich nicht weniger vorgenommen als einen gesicherten Blick in die Zukunft. Wie schwierig das ist, scheint zumindest bewusst zu sein, verrät doch ein Bonmot auf der Website: „Was wir erwarten, trifft selten ein; meistens geschieht, was wir am wenigsten erwarten.“

Recorded Future will das offensichtlich ändern, ohne zuerst eine Zeitmaschine erfinden zu müssen. Konkrete Erklärungen dazu gibt es noch nicht. CEO Christopher Ahlberg will zu diesem Zeitpunkt keine Interviews geben, sondern nur „versuchen, leise zu bleiben und coole Sachen zu entwickeln“. In einer Pressekonferenz dazu befragt, wollte Google ebenfalls keine näheren Hinweise geben. Soweit das möglich ist, gibt Peter Kafka bei Mediamemo eine plausible Einschätzung dazu:

„Recorded Future, beheimatet in Boston und Schweden, scheint in Beta zu sein und hat eine ziemlich rätselhafte Website. Aber wenn ich ihren Blog und die Promotion-Videos richtig interpretiere, scheint es sich im wesentlichen um eine Suchmaschine zu handeln, die nach chronologischen Daten Ausschau hält – also etwa Bezüge zu Dingen, die in der Vergangenheit geschahen oder in der Zukunft geschehen sollten – und stellt die Ergebnisse in aufschlussreichen Grafiken etc. dar.“

Hinweise, wie sich Recorded Future Vorhersagen und „Zeitleisten der Zukunft“ vorstellt, geben diese Videos.

Von Börsengängen bis zu Terrorismus-Analyse: „So können Sie die Zukunft in fast jeder Hinsicht besser verstehen.“

Recorded Future steht mehr als alle anderen Investments für den grenzenlosen Glauben der Google-Gründer, alles durch Algorithmen lösen zu können – natürlich auch, was es noch gar nicht gibt.

Screenshot: Recorded Future

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