Steve Jobs empfiehlt Android – für Pornographie

Von am 21. April 2010 2 Kommentare 

iPhone und iPad müssen sauber bleiben

Apple zensiert die Inhalte von Anwendungen, die für den App Store eingereicht werden. Die krassesten Entscheidungen nimmt das Unternehmen wieder zurück, wenn eine zu breite Öffentlichkeit mit Unverständnis darauf reagiert. So geschehen bei Mark Fiore, der für seine satirischen Animationen den Pulitzer-Preis gewann. Zuvor hatte Apple seine für den App Store eingereichten Karikaturen mit der absurden Begründung abgelehnt, sie machten „Personen des öffentlichen Lebens lächerlich“.

Zensur aber bleibt weiterhin Programm. Es gibt keine Erklärung von Apple, auch nicht im nachhinein. Oder um es im Originalton Apple zu zitieren: „Kein Kommentar, auch keiner dazu, warum wir dazu nichts weiter sagen.“ So zu hören vom deutschen Apple-Sprecher Georg Albrecht in einer Glanzstunde legendärer Apple-PR. Und wozu sind Pressesprecher gut, wenn sie nur zu sagen haben, dass sie nichts zu sagen haben?

Ein wenig gesprächiger ist sein oberster Dienstherr Steve Jobs, der auf die Kritik an der Fiore-Zensur zumindest mit einer knappen E-Mail reagierte. Apple-Kunde Matthew Browning („ich wurde mit der Ankündigung von iPhone 3G zu Apple-Produkten konvertiert“) äußerte ernsthafte Bedenken gegen Apples Zensur, ob sie sich wie bei Fiore gegen politische Karikaturen richtet oder gegen das, „was Apple als Porno betrachtet“. Apple solle nicht Moralpolizei spielen, sondern wirklich coole Gadgets entwerfen, wie es die Käufer erwarten.

Jobs reagierte darauf mit Sätzen, in denen er erneut Android und Porno in Zusammenhang brachte:

„Fiores App wird in Kürze im Store sein. Das war ein Fehler. Aber wir glauben, dass wir eine moralische Verpflichtung haben, das iPhone frei von Pornografie zu halten. Leute, die Porno wollen, können ein Android-Phone kaufen.“

Die ausgetauschten E-Mails wurden mit Header-Daten veröffentlicht und sind allem Anschein nach echt. Jobs‘ Argumentation ist auch konsistent mit einer früheren Äußerung, die er schon bei der offiziellen Vorstellung von iPhone OS 4.0 am 8. April fallen ließ. Auf die Frage nach unsignierten Anwendungen lenkte er ebenfalls ab, indem er Android in die Porno-Ecke zu stellen versuchte: „Wissen Sie, es gibt einen Porno-Store für Android. Jeder kann sie downloaden. Sie können es, Ihre Kinder können es. Das ist nicht die Gegend, in die wir wollen.“

Ist das konkurrierende Android OS pure Pornografie für Steve Jobs? Warum hören wir immer „Android“ und „Porno“, sobald berechtigte Fragen nach Apples ausufernder Zensur gestellt werden? Und warum nichts über die wirklichen Gründe für die rigide Zugangskontrolle, die Apple Entwicklern wie Nutzern aufzwingt?

Illustration: Iconark

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Kommentare

2 Stellungnahmen zu “Steve Jobs empfiehlt Android – für Pornographie”
  1. Thomas sagt:

    Naja, was soll man zu Steve Jobs überhaupt noch sagen? *kopfschüttel*

    Ist ja oft so, in vielen Bereichen: Wenn die Konkurenz zu unangenehm wird und einem die Argumente ausgehen, wird die man polemisch und unsachlich.

  2. Kohloe sagt:

    Die Bild Apps gibts aber schon noch im apple store oder? Mehr als Nakte frauen bietet auch Android nicht.

    Oder hab ich was verpasst? :O

    Jobs Argument zieht natürlich besonders bei Eltern. Ich hoffe google lässt sich nicht zu sehr einschüchtern. Lass dich bloß nicht aus der Deckung rausscheuchen google!