T-Mobile Sidekick: Und die Daten sind wieder da …

Von am 16. Oktober 2009  

Danger PlatformZur eigenen Überraschung erwarten Microsoft / Danger, die meisten Nutzerdaten doch noch retten zu können. T-Mobile USA hält sich zurück, zeigt mit dem Finger auf Microsoft – und scheint noch unentschlossen, das von Cloud-Computing-Diensten abhängige Smartphone überhaupt wieder zum Kauf anbieten zu wollen.

Die Datenkatastrophe erwischte Microsoft zum unangenehmsten Zeitpunkt, da sie geeignet ist, das Vertrauen in Microsofts Wolkendienste wie Windows Live und Azure gründlich zu erschüttern, noch bevor sie abgehoben haben. Die Erklärungen von T-Mobile verweisen stets auf die Dienste von Microsoft / Danger und machen damit klar, wem der Schwarze Peter gehört.

Microsoft versucht ihn weiterzugeben an das eigene Tochterunternehmen Danger und so viel Distanz wie möglich zu diesem herzustellen: „Die Service-Plattform von Danger, die von den Ausfällen betroffen ist, ist ein eigenständiger Dienst, der mit Technologien arbeitet, die nicht von Microsoft stammen, und in keinem Zusammenhang mit den Cloud Services von Microsoft oder Windows Live stehen.“

Dem steht entgegen, dass Ausfälle dieser Art vor der Übernahme Dangers Anfang 2008 durch Microsoft nicht vorkamen. Ich kann selbst aus eigener Erfahrung von zwei Jahren ohne erinnerliche Ausfälle berichten (schon ein paar Jahre her, vor Dangers Microsoft-Ära, über das Netz von E-Plus).

Nach jahrelang problemlosem Service kamen daher rasch Spekulationen bis hin zu möglicher Sabotage auf. Als realistischere Annahme geht um, Microsoft habe – das übliche Assimilierungsprinzip – Danger zum Umstieg auf Microsofts eigene Server und Technologien angehalten. Bei der Migration sei es zum Mega-GAU mit unzureichender Absicherung der Daten gekommen. Eine offizielle Erklärung des peinlichen Zwischenfalls gibt es noch immer nicht.

Ja, wo fließen sie denn?

Ja, wo fließen sie denn? Schema der Danger-Plattform und ihrer "Service Delivery Engine": Weitere Informationen gibt Microsoft / Danger nicht preis.
Schema der Danger-Plattform und ihrer „Service Delivery Engine“: Weitere Informationen geben Microsoft / Danger nicht preis.

Microsoft hatte Danger offenbar auch weniger wegen des Sidekick-Produkts übernommen, sondern wollte vor allem die Mitarbeiter abziehen für eigene Entwicklungen wie das ominöse Projekt Pink, das mal als Zune Phone, mal als Iphone-Killer beschrieben wurde. Die vertraglich vereinbarten Dienstleistungen für die in den USA beliebten und millionenfach verkauften Sidekicks wurden offenbar nur widerwillig übernommen.

Das könnte sich rächen, denn nach dieser katastrophalen Hängepartie dürfte T-Mobile die weitere Zusammenarbeit zumindest zögerlich angehen. T-Mobiles Vice President David Beigie wollte nicht einmal bestätigen, dass der zunächst nur vorübergehend eingestellte Verkauf des Smartphones wieder aufgenommen werden soll:

„Wir sind erfreut, dass Microsoft / Danger weiterhin Fortschritte machen. T-Mobile konzentriert sich ausschließlich auf die Unterstützung der Sidekick-Kunden nach dieser Störung.“

Die Marke Sidekick, inzwischen durch zweiwöchige Störungen beschädigt, gehört T-Mobile (Danger bot das Gerät selbst als Hiptop an, unter dieser Bezeichnung wurde es auch von E-Plus in Deutschland verkauft). Theoretisch könnte T-Mobile (das ließ sich Tom Merritt von Cnet einfallen) als Sidekick in Zukunft auch ein Smartphone mit Googles Android-OS anbieten, um sich weiter von Microsoft / Danger zu distanzieren. Steve Ballmers Reaktion darauf wollen wir uns wirklich nicht vorstellen.

(bk)

Zum Thema bei TecZilla:

T-Mobile Sidekick: Und die Daten sind weg …

Berichte: Microsoft entwickelt Iphone-Rivalen und Tablet

Microsoft: Mit Pink und Hiptop gegen das Iphone

T-Mobile Sidekick LX 2009 kommt in der Gegenwart an

Zum Thema im Web:

Los Angeles Times

Cnet

ZDnet

Abbildung: Danger

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