Und jetzt die ehrlichen Tests: Warum das iPad nicht zum E-Reader taugt

Von am 5. April 2010 5 Kommentare 

Erst nach dem offiziellen Marktstart verraten Erfahrungsberichte, was Apple die Käufer nicht wissen lassen wollte

Die Lobhudeleien der rund 10 von Apple vor dem Marktstart mit iPads versorgten „Tester“ verschwiegen die Probleme eines Gerätekonzepts, das „magisch“ und für alles zugleich gut sein soll. Sie jubelten wie treue Verkaufsgehilfen, statt das Produkt aus der Sicht des Verbrauchers zu betrachten. Kritische, nicht für Apple voreingenommene Journalisten mussten draußen bleiben. Allen anderen blieb nur, unmittelbar vor dem Verkaufsstart die von Apple orchestrierten Aussagen zu vervielfältigen.

Bitte Sonnenlicht vermeiden

Die Ehre, den Mythos des iPad als überlegenem E-Book-Reader und gar Kindle-Killer zu widerlegen, gebührt Robert Strohmeyer, Redakteur bei PC World. Dabei hat er so gut wie nichts an iBooks und weiteren E-Book-Apps für das Apple-Tablet auszusetzen, findet sie sogar richtig gut. Den Lesespaß zunichte macht ihm das leuchtende, glänzende, spiegelnde Display. Es wurde offenbar optimiert, um Filme und Fotos zu betrachten, aber ganz bestimmt nicht für das Lesen längerer Texte:

„Unglücklicherweise reflektiert der Touchscreen so stark, dass es in einem gut beleuchteten Raum höllisch blendet und im vollen Sonnenlicht praktisch als Spiegel doppelt. So gerne ich in mein eigenes hübsches Gesicht sehe, bin ich doch eher nicht geneigt, 499 Dollar für dieses Privileg ausgeben zu wollen.“

Dafür schätzt er seinen Amazon-Reader mehr als je zuvor, der dank E-Ink auf Hintergrundbeleuchtung verzichten kann und damit einer gedruckten Buchseite am nächsten kommt. Zwar sorge das iPad-Display bei schwachem Umgebungslicht für einen klare, hintergrundbeleuchtete Sicht aus vielen Blickwinkeln. Der Lichtsensor des iPad reagierte jedoch nicht auf wechselnde Lichtverhältnisse, wie im Test mit einem zweiten Gerät bestätigt – ein Problem, das Apple vermutlich bald beheben werde. Letztlich sei das iPad aber von seinem Konzept her nicht als dezidierter E-Book-Reader geeignet:

„Aber der unerträglich zu Blendeffekten neigende Bildschirm und das größere Gewicht des Geräts heben die Vorteile spezieller Lesegeräte mit E-Ink hervor.“

Für ein paar Dollar mehr

Mit dem Lesen auf der sonnigen Terrasse, im Biergarten oder gar am Strand ist also schon mal nichts. Dazu kommt das gut doppelte Gewicht im Vergleich zu einem Amazon Kindle, das manchen Arm doch etwas früher ermüden lassen könnte. Teurer wird der digitale Lesespaß dank Apple auch noch, und nicht nur durch den höheren Gerätepreis. Apples Eintritt in den Markt sorgt nicht etwa für günstigere Preise dank Wettbewerb, sondern treibt die Preise durch das von Apple den Verlegern angediente Agenturmodell nach oben – die Verleger bestimmen einen Wunschpreis, Apple nimmt davon 30 Prozent und freut sich.

Dafür ist die erworbene digitale Ware nur auf einem Gerät zu nutzen, und das heißt iPad. Während bei Amazon gekaufte E-Books auch abwechselnd auf verschiedenen Plattformen zu lesen sind, auf Kindle oder PC oder Macbook, auch auf iPhone oder iPad, beschränkt Apples DRM die Lektüre auf das iPad. Wer es nicht immer und überall dabei hat, kann nicht weiterlesen.

Ein weiterer entscheidender Vorteil von E-Ink gegenüber Displays mit Hintergrundbeleuchtung ist der wesentlich geringere Strombedarf. Dank seiner schwergewichtigen Batterie verfügt zwar auch Apples iPad über eine beachtliche Akkulaufzeit, aber sie erreicht bei weitem nicht die tagelangen Laufzeiten eines Lesegeräts mit E-Ink.

Empfohlen für Wenigleser

Warum geben sich Zeitschriften- wie Buchverlage der Illusion hin, ausgerechnet das iPad könnte ihre Geschäftsmodelle aus der Print-Ära in eine digitale Zukunft retten? Haben sie ihre euphorischen Konzepte entwickelt, ohne das Gerät auch nur aus der Ferne zu sehen? Haben sie ebenso blind wie die ersten Käufer auf Apple vertraut?

Vielleicht hätten sie Steve Jobs genauer zuhören und ihm ausnahmsweise glauben sollen. Auf E-Reader wie Amazon Kindle angesprochen, erklärte Apples CEO im Januar 2008 gegenüber der New York Times: „Es spielt keine Rolle, wie gut oder schlecht das Produkt ist. Tatsache ist, dass die Leute nicht mehr lesen. Vierzig Prozent der Menschen in den USA haben im letzten Jahr ein Buch oder weniger gelesen. Das ganze Konzept ist von vornherein falsch, weil die Leute nicht mehr lesen.“

Warum also hätte Apple einen wirklich guten E-Book-Reader entwickeln sollen statt ein Gerät, das man nebenbei auch als E-Reader anpreisen kann? Exakt darauf läuft auch das Fazit im ehrlichen Test von PC World hinaus:

„Wenn Sie nach einem Gerät Ausschau halten, auf dem Sie in erster Linie E-Books lesen wollen, ist das iPad wahrscheinlich eine schlechte Wahl. Es ist teurer als andere E-Reader und weniger gut zu nutzen unter vielfältigen Lichtbedingungen. Aber wenn Sie nur wenig lesen, sich nicht an etwas mehr Gewicht in Ihren Händen stören und etwas wollen, was mehr kann als Texte downloaden und darstellen, dann ist das iPad eine interessante Alternative.“

Abbildung: Apple

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Kommentare

5 Stellungnahmen zu “Und jetzt die ehrlichen Tests: Warum das iPad nicht zum E-Reader taugt”
  1. Bobi sagt:

    Natürlich für wenigleser man kauft das iPad doch nicht um ausschließlich eBooks zu lesen oder kann man mit dem kindle Filme gucken und Games Spielen was soll das für ein „ehrlicher Test“ sein die Ãœberschrift könnte auch lauten “ Äpfel mit Birnen Vergleich“.
    Ach zum Thema Akkulaufzeit mein Batteribetriebener Milchaufschäumer mit Digitalanzeige schlägt den Kindle bei weitem ich habe seit dem Kauf vor 2 Jahren die Batterien nicht wechseln müssen.Das hat Herr Jobs euch auch vorenthalten.

  2. Anonymous sagt:

    Das Konzept, sich eher auf Multimedia zu konzentrieren, wird sicherlich erfolgreicher sein.
    Natürlich sagt Apple dabei nicht „eBooks können wir nicht so gut“… das ist ja klar.

    Fakt ist aber auch, dass man mit einem matten Display viele Probleme hätte umgehen können – und zwar ohne bei Filmen große Abstriche zu machen!

    Das ist wieder mal typisch Apple! – Die ganzen iMacs und MacBooks sind wegen ihrem Display totale scheiße!!

  3. Christian Weiler sagt:

    Mein Gott,

    schau mir jetzt seit 3 Monaten regelmäßig die TecZilla Beiträge und Kommentare an. Also hier haben aber einige ein sehr ausgeprägtes „Apple-Problem“, könnte man schon fast als krankhaft bezeichnen. Als ehemaliger geplagter PC-User
    bin ich dankbar auf einem Mac endlich auch einen Computer als das zu benutzen für den er gedacht und auch gebaut wurde. Von meine Windows-PC`s konnte ich das sicher nicht sagen.

    Die Display-Kritik kann ich nicht bestätigen, habe selber ein MacBooK Pro.

    Mein iPad hab ich schon bei Amazon bestellt.

    iPad, Leute lasst es einfach geschehen, Ihr könnt doch nichts drann ändern.

    Nach Schätzungen von Piper-Jaffrey-Analyst Gene Munster gingen am ersten Verkaufswochenende zwischen 600.000 und 700.000 der Tablet-Computer in den USA über den Ladentisch. Ursprünglich hatten Experten geschätzt, dass Apple maximal 400.000 Stück unters Volks bringen kann.

    Der Marktforscher Gartner glaubt, dass die Nachfrage nach Tablet- Computern mit einem Schlag anzieht und dass es im gesamten Jahr 10,5 Millionen werden – großteils iPads.

    Mit dem iPad will Apple einen Markt beleben, der seit Jahren vor sich hindümpelt. Bereits vor zehn Jahren hatte Microsoft ein ähnliches Gerät auf den Markt gebracht. Doch die schlanken Rechner mit ihren Touchscreens waren den Kunden zu teuer, zu kompliziert und schienen kaum Vorteile gegenüber klassischen Notebooks zu haben. Apple setzt nun beim iPad auf seinem erfolgreichen iPhone auf. Dessen kleine Zusatzprogramme – so genannte Apps – lassen sich auch auf dem iPad starten. Medienhäuser liefern Bücher, Videos oder Nachrichten-Seiten zu.

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/iPad-Verkauf-brummt-article808868.html

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  1. […] Warum das iPad nicht zum E-Reader taugt Ich warte nach wie vor ab, was der Markt bringen wird. Zu 90% werde ich mich nicht für ein […]