Wie Google Android kontrolliert

Von am 12. Mai 2011  

Harte Linie gegen Fragmentierung

Googles Smartphone-Betriebssystem Android ist Open Source, quelloffen und kostenlos, aber dennoch mit Bedingungen für die Hardwarehersteller verbunden. Zumindest dann, wenn sie die beliebten und unverzichtbaren, aber nicht offenen Anwendungen von Google mit installieren wollen, von Google Mail über Google Maps bis zum Android Market. Ein von Skyhook angestrengtes Gerichtsverfahren macht die nicht immer konfliktfreien Beziehungen zwischen Google und Hardwareherstellern öffentlich.

Kampf um die Ortsdaten

Skyhook ist im Geschäft mit Ortsdaten, erhoben durch GPS, Mobilfunksender und WLAN-Zugangspunkte. Fahrzeuge von Skyhook waren auch in deutschen Straßen unterwegs und sammelten WLAN-Zugangspunkte, lange bevor die Street-View-Autos von Google damit in einen Datenskandal fuhren, weil sie nebenbei auch unverschlüsselten Traffic auffingen. Schon bei Apples iPod touch der ersten Generation sorgten Skyhooks Daten für eine (wenn auch ungenaue) Ortsbestimmung, obwohl das Gerät selbst weder über GPS noch Mobilfunk verfügte, nur über WLAN.

Skyhook fühlt sich inzwischen aus dem Geschäft gedrängt und wirft Google Wettbewerbsverstöße vor, denn Google habe Motorola und Samsung systematisch an der Nutzung der Skyhook-Ortsdienste gehindert. Ob dieser Vorwurf berechtigt ist, wird ein Gericht zu entscheiden haben. Wie in solchen Verfahren in den USA üblich, werden dabei auch firmeninterne Dokumente und der E-Mail-Verkehr zwischen den beteiligten Unternehmen öffentlich gemacht.

Android ist offen, aber …

Sie geben einen seltenen Einblick, wie Google die Kontrolle über Android OS zu bewahren – oder zurückzugewinnen? – versucht. Nilay Patel von Thisismynext.com hat sich tief in den Dokumentenberg gegraben und ist auf eine Anzahl von Nuggets gestoßen.

Um mehr als Android pur und Googles eigene Apps zu bekommen, müssen die Herstellungspartner Vertriebsvereinbarungen abschließen, die es in sich haben. Die Lizenz für ein Gerät ist jeweils zeitlich begrenzt. Die Installation von Googles Apps ist erst nach einer ausdrücklichen schriftlichen Zustimmung zulässig. Google bestimmt die zu installierenden Versionen seiner Apps. Und gar nichts geht, bevor das jeweilige Gerät eine Android Compatability Test Suite bestanden hat und Googles Definitionen für Android-Kompatibilität entspricht, die sich wiederum kurzfristig ändern können.

Aus den Dokumenten geht hervor, dass Google größten Wert auf die Verwendung seiner eigenen Ortsdienste legt. Es geht dabei um die Genauigkeit der WLAN-Datenbank, ähnlich wie bei Apples iPhone durch anonyme Meldungen der Smartphones erstellt und gepflegt. Laut Google-Mitarbeiter Steve Lee benötigt Google „die WLAN-Datensammlung, um unseren WLAN-Ortsdienst zu erhalten und zu verbessern, insbesondere nachdem die WLAN-Datensammlung durch Street View beendet wurde“.

„Fragmentierung kontrollieren, damit Android erfolgreich ist“

Wie die Dokumente weiterhin zeigen, versucht Google ernsthaft die oft angeprangerte „Fragmentierung“ einzudämmen, die mit einer wachsenden Vielfalt von Hardware- und Softwareversionen entsteht. Eine für Samsung formulierte Lizenz verbietet ausdrücklich alles, was „die Fragmentierung von Android verursachen oder in ihr resultieren könnte“. Ausdrücklich untersagt ist unter anderem, ein eigenes Software Development Kit auf der Basis von Android zu erstellen oder anderen dabei behilflich zu sein, SDKs zu erstellen.

Nach Differenzen mit Motorola, bei denen es teilweise um Skyhooks Ortsdienste ging, folgte eine Ermahnung zum gemeinsamen Kampf gegen die Fragmentierung: „Wir müssen die Fragmentierung auf einer offenen Plattform kontrollieren, um den Erfolg für Android zu sichern. Das bedeutet für Google, Motorola und andere Teilnehmer des Ökosystems, dass wir einige schwierige Lektionen werden lernen müssen. Ein lebendiges Ökosystem um eine nicht-fragmentierte Plattform ist in unser aller Interesse, daher müssen wir auch die Last gemeinsam tragen.“

Die Auslieferung stoppen …

Motorola wurde dabei angesprochen als „sehr enger Google-Partner, und wir priorisieren und schätzen diese Partnerschaft definitiv“. Zugleich geht aus E-Mails zwischen Android-Chef Andy Rubin und Motorolas CEO Sanjay Jha hervor, dass sich Rubin selbst als oberster Android-Wächter versteht. Er behält sich in der Zusammenarbeit mit den OEM-Herstellern rigoros das letzte Wort vor bis hin zur unverblümten Drohung mit einem Lieferverbot:

„Dieses Problem könnte die Auslieferung stoppen, und ich möchte sichergehen, dass es keine Ãœberraschungen in der letzten Minute gibt.“

Abbildung: JD Hancock / CC

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